Freitag, 17. Dezember 2010

Wegbegleiter in Pune

Liebe Leute,

seit ungefaehr zwei Tagen fuehle ich mich ein bisschen wie im Schwebezustand hier. Ich habe dieses permanente Kribbeln im Bauch, das man hat, wenn man wahnsinnig aufgeregt ist... Ich glaube es liegt daran, dass ich bald nach hause fliege und meine ganzen Lieben wieder sehe :) Auch wenn es nur fuer eine Woche ist, so ist es doch eine sehr sehr angenehme Unterbrechung meines Aufenthalts hier.
Zu dieser Aufregeung kommt eine weitere Euphorie: "mein" Festivalkatalog ist kurz vor dem Fertigwerden! Alles, was jetzt noch fehlt liegt nicht an mir, sondern an fehlenden Bestaetigungen fuer Filme, die wir zeigen moechten. Gestern haben meine Kollegen Sandeep, Kushal und Ankur einen "Dummy-Katalog" ( d.h. einen Probekatalog) erstellt und als ich den in den Haenden hielt, ueberkam mich schon so ein gewisser Stolz, mein Werk! Hach!
Aber halt! Ich habe echt viel dafuer getan!!!
Diese Woche war besonders anstrengend. Jeden Tag fangen wir um 11 an. Okay, das ist spaet, dafuer war ich aber auch jeden Tag bis ungefaehr 21 Uhr im Buero, am Mittwoch sogar bis halb 11! Jeder, der mich kennt, wird verstehen was das fuer mich bedeutet... Meine Freizeit opfern!!! Hilfe!!! Ach ja, und heute ist Samstag und wo bin ich? Im Buero natuerlich. Mit meinen lieben Kollegen. Ich hab sie tatsaechlich lieb gewonnen, meine Kollegen und ich glaube, sie moegen mich auch. Sie haben zwar nicht aufgehoert, staendig Hindi zu sprechen und Informationen nicht weiter zu leiten. Dafuer verstehe ich jetzt schon richtig viel und weiss mittlerweile, dass ich den Leuten einfach auf den Sack gehen muss, um meine Infos zu bekommen. Das nennt sich wohl kulturelle Assimilation. Da bin ich auch ein bisschen stolz drauf.
So, nun aber genug geredet. Ich haenge ein paar Bilder an von Menschen, die mich hier in meinem alltaeglichen Leben "begleiten", das heisst Menschen, die ich oefters mal sehe und mit denen ich eigentlich nicht befreundet bin, aber die trotzdem ihren Platz haben :)
Seht selbst.....

Meine Kollegen und ich


von links: Amar, Kshama, Aditi, Vishal


Raj, der Obstverkaeufer, mit dem ich immer Hindi spreche und ich


nochmal Raj



"mein" Schneider

Sonntag, 12. Dezember 2010

Mein Scooter und ich - eine Liebesgeschichte



So nun, wie so lange schon geplant, aber nicht durchgeführt: das Foto meines kleinen Rollers ist da!
Jetzt könnt ihr euch in etwa ein Bild davon machen, wie ich hier herum düse :)
Mehr gibts dann später, ich muss viel arbeiten zur Zeit, das Festival naht!!!

Ich drück euch ganz fest, ihr alle! Und wir sehen uns

Donnerstag, 18. November 2010

Indischer Humor und chaotische Informationspolitik

Hallo liebe Freunde,

der Ernst des Lebens hat fuer mich angefangen und seit mittlerweile 14 Tagen arbeite ich fuer PIFF (Pune International Film Festival), das im Januar hier stattfindet.
Die Arbeit an sich ist zur Zeit noch relativ monoton. Meine Aufgabe ist es, den Katalog zu erstellen. Das bedeutet, dass ich zu allen Filmen, die waehrend des Festivals gezeigt werden, Informationen sammeln und in eine Datenbank einpflegen muss. Es waere so einfach, wenn jeder, der hier einen Film einreicht, sofort alle technischen Angaben sowie Inhaltszusammenfassung, Bio- und Filmographie des Autors hinzufuegen wuerde, nur sind wir ja hier nicht in Deutschland... Das hier ist Indien und, wie in so vielen anderen Bereichen, laeuft es hier ein wnig chaotischer als bei uns. Fuer mich heisst das nun, dass ich 7 Stunden am Tag vor dem Bildschirm sitze und - teilweise verzweifelt - Informationen zu allen Filmen einhole. Das ist also im Grossen und Ganzen meine Arbeit im Moment... Und ich werde wieder in der Ansicht bestätigt, dass ich AUF KEINEN FALL einen Job möchte, wo ich den ganzen Tag nur vor dem PC sitze!!!
Aber je näher das Festival rückt, desto mehr Arbeit wird auf mich zukommen. Letzten Samstag zum Beispiel hatten wir ein Treffen mit dem japanischen Konsul, denn da unser Fokus dieses Jahr auf Japan liegt, sollen die ein kuturelles Programm zusammenstellen, was dann dort aufgeführt wird. War ziemlich interessant, wie informell das alles ablief. Mein Chef meinte dann nur so: Ja, machen Sie einfach irgendwas, Hauptsache es wird nicht langweilig. Der Konsul selbst war in Jeans und Polohemd da, also nichts von wegen Etikette und so, lustig.
Heute habe ich kurz vor 6 erfahren, dass wir um 6 ein Meeting haben mit dem Chef. Blöderweise hatte ich schon etwas mit meiner Hindilehrerin ausgemacht und prompt konnte ich nicht teilnehmen. Letztlich hat das Meeting dann doch nicht stattgefunden, aus welchen Gründen auch immer.
Das ist übrigens sehr häufig hier anzutreffen: Informationen werden einfach nicht weiter gegeben. Ich saß schon so oft auf der Arbeit und erfuhr erst in der letzten Minuten von wichtigen Dingen. Neulich war ich für ein Wochenende in Mumbai, um Franzi und Inga zu besuchen und, in der Annahme ich müsste a Montag arbeiten, bin ich Sonntag abend nach Pune zurück gefahren. Montagmorgen um halb 10, ich war schon auf dem Weg zur Arbeit, bekomme ich einen Anruf von meinem Kollegen: "Heute ist frei übrigens, du brauchst nicht zu kommen." Wie bitte??? Ja, er hatte es auch schon am Freitag gewusst, mir nur nicht mitgeteilt. Toll. Da hätte ich noch einen Tag in Mumbai verlängern können... Solche und viele andere Situationen nerven.
Eine zweite Sache, die mich im Moment ein wenig nervt, ist, dass meine Kollegen immer Witze machen, die ich nicht verstehe und die, in gewisser Hinsicht auf meine Kosten gehen.
Ein Beispiel: Sie erzählen mir, dass einer von ihnen, Vishal, im nächsten Jahr heiratet (Vishal war anwesend). Und meine Reaktion war natürlich: "Oh, wie schön, wann denn?" Dann ging das Gelächter los. Ich uwsste gar nicht was passiert war und fragte nach, was jetzt so lustig sei. Irgendwie unter den Prustern bekam ich dann mit, dass Vishal der ewige Junggeselle ist und warscheinich nie heiraten wird. Schön, das mag zwar für alle anderen lustig sein, aber nicht für mich in diesem Moment, weil ich einfach nicht eingeweiht bin in die Details. Solche Scherze passieren ständig. Ich denke ja, sie wollen sich eigentlich gegenseitig aufziehen, aber sie "benutzen" mich halt dafür. Das hat dann zur Folge, dass ich mich ausgeschlossen fühle. Vor allem, wenn ich dann nachfrage, dann wird noch mehr gelacht und mittlerweile lasse ich es einfach.
Ich glaube schon, das ist einfach ihr Humor, nur kann ich damit nicht viel anfangen.
Sonst sind meine Kollegen nämlich eigentlich total lieb. Sie sprechen ja immer nur Hindi untereinander und da hab ich eine gute Gelegenheit, mein Hindi zu verbessern. Mittlerweile sprechen sie mich auch immer auf Hindi an, aber ich verstehe nur in seltenen Fällen wirklich etwas. Aber ich glaube das wird langsam.
Okay, ich sehe schon wieder, ich schreibe Romane.
Soviel für heute, ich bin müde und geh bestimmt bald schlafen. Hab jetzt immer ein morgendliches Trainingprogramm im Fitness-Studio, dafür stehe ich halb 7 auf :)

Ich hoffe, ihr seid alle wohlauf.
Grüße und Küsse nach Deutschland
P.S.: Weihnachtet es schon sehr?

Mittwoch, 10. November 2010

mähm mähm määääähhhhmmmm machts in Pune

Wenn man in einem fremden, fernen Land lebt, macht man fast täglich neue Erfahrungen. Täglich gibt es andere Herausforderungen, macht man Dinge, die man noch nie in seinem Leben getan hat oder die in Deutschland einfach nicht möglich wären. Eine solche neue Erfahrung durfte ich heute machen: ich bin das erste Mal mit einem kleinen Roller unter dem Hintern durch den verrückten Straßenverkehr von Pune City gerast! Das Ding war ein Leihstück von einem brasilianischen Freund, der ihn gerade nicht braucht und so kam ich in den "Genuss" dieser Erfahrung.
Das Ganze war eine wirklich riesige Herausforderung und dass Nishit, ein indischer Freund, vor mir gefahren ist hat das Ganze nicht viel besser gemacht. Im Gegenteil, Nishit ist so eine Art indischer Michael Schuhmacher, der sich gern links und rechts an allen anderen Verkehrsteilnehmern vorbeischlängelt und kreuz und quer von einer Seite der Fahrbahn auf die andere wechselt. Bei Kreuzungen heißt es hier ja immer "der Stärkere gewinnt" und Nishit ist meist der Stärkere...
Das Problem war, dass ich ihm folgen MUSSTE, weil ich natürlich den Weg nicht kannte. Hinzu kam, dass er sich die ganze Zeit mit mir unterhalten wollte: "Krissi, hast du Hunger?" (zwischen zwei Autos auf einer riesigen Straße), "Krissi, möchtest du einen Film sehen?" (auf einer noch größeren Straße, neben uns Busse und tausend andere Motorräder), "Krissi, willst du was einkaufen?" (in der "Fußgängerzone" Punes, oder zumindest fühlte es sich so an, weil ich nur damit beschäftigt war, irgendwelchen Fußgängern auszuweichen)
Irgendwann musste ich ihn dann etwas lauter ansprechen und ihm klar machen, dass ich nicht fahren und reden gleichzeitig kann und dass ich in diesem Moment erst recht weder was essen, noch was einkaufen noch einen Film schauen wollte. Ich wollte dann einfach irgendwann ankommen. Nach einer halben Stunde hatten wir dann Gott sei Dank unseren Bestimmungsort erreicht und ich war einigermaßen fertig mit den Nerven.
Als das dann vorbei war, war ich stolz auf mich und irgendwie hatte es auch Spaß gemacht, im Slalom den Autos und Rikshaws auszuweichen und sich nicht von anderen Zweirädern einschüchtern zu lassen, sondern einfach drauf los zu fahren.
Ich bin jetzt definitiv bereit für einen eigenen Scooter, den ich mir ab nächster Woche ausleihen werde. Bitte Mama, Papa und Oma und Opa, macht euch keine Sorgen! Ich kauf mir einen Helm und ich fahre nicht schnell, ihr kennt mich ja ;)
Bahn frei!!!

Freitag, 5. November 2010

der Ernst des Lebens beginnt...

Ja ist denn heut schon Weihnachten? Seit ungefähr vier Tagen könnte man sich das ständig fragen, denn das große Diwali-Fest wird hier gerade gefeiert. Gestern hat es offiziell angefangen, heute ist der wichtigste Tag. Es erinnert schon sehr an Weihnachten, denn überall sieht man Lichterketten, geschmückte Häuser, dekorierte Geschäfte und Einkaufs-Malls, immer mit dem Thema Licht. Kein Wunder, denn das Diwali-Fest heißt auch "Festival of Lights". Es wird zu Ehren des Gottes Ram gefeiert dessen Geschichte wie folgt geht: er wird als Prinz im Königreich Ayodhya geboren. Er soll Kronprinz und Mitregent werden, doch seine Stiefmutter verhindert dies durch eine Intrige und so wird ihr Sohn Bharata an Ram´s Stelle Thronfolger. Ram wird für 14 Jahre in die Verbannung geschickt und muss dort gegen unzählige Dämonen kämpfen. Als seine Frau Sita entführt wird verbündet sich Ram mit verschiedenen Göttern und kann sie schließlich befreien. Er kehrt zurück ins Königreich und Bharata überlässt ihm freiwillig die Krone.

Die Lichter, die während des Diwali-Festes angezündet werden sollen Ram symbolisch den Weg nach hause in sein Königreich weisen. Ram gilt als der reinste und moralisch einwandfreieste Gott im indischen Pantheon. Es heißt, dass jeder Mensch auf der Erde jede Eigenschaften der indischen Götter in sich trägt. Wer die Eigenschaften von Ram in sich trägt, ist von tiefstem Herzen gut und hat einen reinen Geist, denn Ram hat alle Dämonen besiegt und somit sich selbst befreit. Deswegen ist Diwali auch so ein wichtiges Fest.
Zu Diwali gehört, dass das Haus blitzeblank geputzt wird, man sich neue Kleidung kauft und sich gegenseitig Süßigkeiten schenkt. Es ist ein großes Familienfest, zu dem alle Mitglieder der Familie zusammenkommen, Puja machen und essen.
Zusätzlich, und diese Tradition hat sich sicherlich erst später entwickelt, huldigt man an Diwali den Finanzbüchern (!) und der Göttin Lakshmi, die für Reichtum und gute Geschäfte steht. Für alle indischen Geschäftsmänner hat Diwali also eine noch stärkere Bedeutung. Wir sind heute abend auch bei Nishit, einem indischen Freund, eingeladen im Büro seines Onkels eine Puja für Lakshmi abzuhalten.
Ein zweites "Nebenprodukt", das mit Diwali auftaucht, sind Böller, die hier momentan unerlässlich gezündet werden. Ich konnte nicht herausfinden, was die Bedeutung davon ist, aber genauso gut könnte man fragen, warum wir an Silvester böllern und niemand könnte es wohl erklären.
Diwali ist also Weihnachten und Silvester in einem und dank dieses Festes hatte ich gestern und heute frei :)

Ansonsten hat sich mein Leben in den letzten zwei Wochen hier radikal geändert: unser schönes, durchgeplantes Programm ist zuende, das Praktikum hat angefangen und die meisten Leute aus unserer Gruppe haben sich in ganz Indien verteilt. Vor allem Franzi und Inga, mit denen ich hier in Pune so viel unternommen habe, mit denen ich quasi Tag und Nacht zusammen war (Franzi war meine Mitbewohnerin) fehlen hier unglaublich. Ich merke das jeden Tag, aber gut, da muss ich wohl durch und es wird ja auch bestimmt wieder besser. mein Trostpflaster ist, dass die beiden "nur" nach Mumbai gezogen sind, das knappe 4 Stunden von pune entfernt unten am Meer liegt. Morgen fahre ich die beiden besuchen, ich kann es kaum erwarten.
Meine neue Mitbewohnerin ist Marinka, die auch in meinem Programm ist und Steffi, die schon vorher mit mir gewohnt hat, ist auch geblieben. Wir drei sind also der klägliche Rest unserer supercoolen Truppe, die hier zwei Monate viel Spaß hatte. Es ist aber schön, weiter in Pune zu sein, weil ich die Stadt mittlerweile recht gut kenne und sehr mag. Hinzu kommt, dass wir hier einfach die perfekte Wohnung haben: zentral, günstig, komplett eingerichtet und gemütlich. Franzi udn Inga suchen gerade in Mumbai eine Wohnung und verzweifeln schier an dieser Mammutaufgabe. man glaubt gar nicht, wie teuer Wohnungen in Mumbai sind...

Zu meinem Praktikum kann ich noch nicht viel sagen. Ich war erst zwei Tage dort, an denen nicht viel anstand. Mittlerweile habe ich aber eine Einführung in das Programm bekommen, mit dem ich arbeiten werde und am Montag fange ich dann richtig an. Ach ja, für die, die es noch nicht wissen: ich arbeite hierfür das "Pune International Filmfestival" (kurz PIFF), das vom 6.-13. Januar stattfindet. Ich bin für den Festivalkatalog verantwortlich, was auch eine Mammutaufgabe ist. Meine erste Aufgabe ist nun, eine Datenbank mit allen Filminfos inklusive Regisseurbiographie etc. zu erstellen und alles in ein Format zu bringen, in dem es dann gedruckt werden kann. Ich bin sehr gespannt und freue mich auf die Herausforderung. Ist nämlich nicht so einfach, alle Informationen zu sammeln. Meine zweite Aufgabe wird die KOmmunikation mit den ausländischen Regisseuren sein, die nach Auswahl der Filme durch das "Selection Committee" eingeladen werden, aber das kommt später.
Meine Arbeitszeiten kommen meinem biologischen Rhythmus sehr zugute: ich fange um 10.30 an und ende so gegen 18 oder 19 Uhr, sehr entspannt. Das heißt, noch ist es so, wer weiß, wie wird je näher das Festival rückt...
Ein weiterer Glücksfall ist die Tatsache, dass im Büro immer Hindi gesprochen wird, auch wenn ich anwesend bin und offensichtlich zuhören möchte. Das heißt zwar im Moment noch, dass ich nichts als ein paar Wörter verstehe, aber ich hoffe, dass es bald besser wird. Natürlich sprechen meine Kollegen auch alle Englisch, das heißt, es gibt keine Verständigungsprobleme.

Letzte Woche waren wir 4 Tage in Goa, was wir sehr genossen haben. Wir hatten ein kleines, schnuckeliges Guesthouse driekt am Strand. Es gab dort nur 5 Zimmer, von denen wir zwei besetzten und eins von einem Inder aus Kanataka benutzt wurde. Es war also sehr ruhig und wir konnten morgens gemütlich auf der Terrasse sitzen und unsere morgendliche Kaffee-Omlette-Toast-Zeremonie genießen. Danach ging es an den Strand, wo wir uns in den typischen Strandliegen braten ließen. Ab und zu ein Sprung ins mehr oder weniger kühle Nass oder ein Getränk aus dem Strandrestaurant und schon war der Tag perfekt. An einem Tag hatte ich mir einen Scooter gemietet und fuhr mit den Jungs durch Goa, das war ein Spaß! Es war wahnsinnig grün, eine richtige Oase, überall Palmen und Bananenstauden. Jörg und ich waren ja im Januar schonmal dort, aber da war es eher trocken, denn es war das Ende der Trockenzeit. Diesmal war es das Ende der Regenzeit und das war noch sehr deutlich zu spüren, alles grünte und blühte und man fühlte sich wie neu geboren in diesem grünen Paradies.
Einen Abend verbrachten wir in Panjim, Goas Hauptstadt, das war wie ein Kurztrip nach Portugal. Goa war ja mal eine portugiesische Kolonie und das ist noch sehr stark zu spüren: die Häuser, die Atmosphäre, alles wirkt so mediterran! Es war herrlich. Wir saßen in einem kleinen Straßenrestaurant, in einer engen Gasse, die mit Lichterketten dekoriert war und lauschten portugiesischen Klängen. Das Restaurant war voll mit Europäern, was das Gefühl in Portugal zu sein noch verstärkte. Und der Wein war super lecker (was in Indien durchaus nicht die Norm ist).
Den letzten feierten wir, wie es sich für Goa gehört. Alles in Allem war es ein toller Kurzurlaub, knapp vor Start der Saison, was alles angenehm machten: die Preise waren noch angemessen, der Strand überhaupt nicht voll und die Anzahl von Russen hielt sich nach in Maßen. Jetzt möchte ich nicht da sein, denn an Diwali ist dort die Hölle los.
So, nun habe ich aber genug berichtet. Ich hänge noch ein paar Fotos von Goa an.
Ich hoffe, euch alles geht es gut.
Übrigens: falls ihr mal eine Karte, einen Brief oder ein Päkchen loswerden wollt, könnt ihr es gern an mich schicken, meine Adresse funktioniert tatsächlich:

Kristin Piesker
773/3 Prabhat Road, Lane 7, "Four Fountain Spa" Building
411004 Pune, India

Freu mich natürlich über alle Post :)

Dann wünsch ich euch allen HAPPY DIWALI!!!

Die drei Strandnixen :) links Franzi, rechts Inga


entspanntes Frühstücken


der Blick von unserem Balkon


kleiner Ausflug nach Portugal

die ganze Goa-Crew

Dienstag, 12. Oktober 2010

Ein Hauch (oder mehr) von Deutschland und indische Tanzkultur


Wer hätte gedacht, dass ich, di
e in Deutschland noch nie einen Fuß aufs Oktoberfest gesetzt hat, hier in Pune dazu kommen würde?
Aber wie es so oft ist im Leben, es kommt immer anders als man denkt. Und so kam es also, dass ich das Wochenende auf der indische
n Version des Münchner Traditionsfest verbrachte.
Ich kann zwar nicht einschätzen, wie original das alles war, aber ich fand doch, dass es schon sehr bayerisch wirkte dort, nicht zuletzt, weil die "Sulmtaler" auftraten und Volksmusik spielten.
Organisiert war das Ganze von der Außenhandelskammer und dementsprechend war das Publikum einigermaßen auserlesen: Expats, reiche indische Businessmen, ein paar Studenten, die üblichen Verdächtigen, die man immer in Begleitung von Ausländern sieht und wir!

So sieht es eben aus auf dem Oktoberfest :)

Es war echt sehr spaßig, die ausgefallenen Outfits der Leute und ihre prolligen Autos vor dem Tor zu bestaunen (und sich insgeheim ins Fäustchen zu lachen, weil man selbst ja niemandem besonders gefallen muss).
Es gab Erdinger Weißbier und Radebergen, Brezeln (fast original), Kässpatzen und Bratwurst. Also alles, was das deutsche Herz begehrt :) (Nein, nein, wir bedienen keine Klischees!)
Später, als es dann dunkel wurde und die Band nicht nur Schunkellieder, sondern auch echt coole deutsche Hits zum Besten gab, wurde ordentlich getanzt. Natürlich auch auf den Bänken, wie es sich gehört! Und wie es auch so ist, musste ich natürlich einbrechen und mir meinen sowieso schon lädierten Fuß umdrehen.
Es ging allerdings ziemlich schnell wieder ziemlich gut, so dass ich im Anschluss noch in eine Disko gehen und dort abtanzen konnte :) Show must go on!
Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie die Leute da abgingen auf diesem Fest. Okay, sicherlich lag es auch ein bisschen am Bier, was reichlich floß, aber das ist mir schon ein paar mal aufgefallen: die Inder können richtig gut feiern!!! Und da sieht man kein Rumgezicke der Männer, die mit verschränkten Armen in der Ecke stehen und sagen: Ich tanze nicht! Ganz im Gegenteil, es sind vor allem die Männer, die richtig heftig abtanzen.

So sah es zu späterer Stunde aus!


A propos Abtanzen: unser Tanzunterricht, bei dem wir zwei indische Volkstänze gelernt haben, ist nun vorbei und wir sind gewappnet für die öffentlichen Darbietungen, bei denen jeder mittanzen kann.
Gerade läuft nämlich schon wieder ein Festival, das der Kriegsgöttin Durga geweiht ist. Es heißt Navratri und bedeutet: 9 Nächte. Neun Nächte lang werden diese zwei Tänze überall aufgeführt, auf der Straße, in Säalen und auf Bühnen. Franzi und ich hatten gestern eine spontane Dandiya- Tanz-Session auf der Straße. Wir kamen gerade aus dem Kino und waren auf dem Heimweg, als wir auf der Straße eine ganze Meute von Menschen Dandiya tanzen sahen. Dieser Tanz wird mit zwei Stöcken getanzt, die man im Takt gegeneinander schlägt. Es läuft im Kreis ab, so dass man immer wechselnde Partner hat.
Spontan entschlossen wir uns, auszusteigen und uns umzusehen. Und schwupp die wupp hatten wir zwei Dandiya-Stöcke in der Hand und tanzten mit den Leuten. Es war einfach toll. Da waren Jung und Alt, Mann und Frau und alle tanzten zusammen mitten auf der Straße.

Wir wurden natürlich sehr herzlich begrüßt und hatten sogleich eine ganze Kinderschar um uns herum. Als wir dann mittanzten waren aller begeistert. Danach wurden wir auf eine Cola eingeladen und später mit der Rikshaw nach hause gefahren- ohne, dass sie dafür Geld wollten! Krass, oder? Die Menschen sind hier so gastfreundlich, das ist unglaublich! Es sind immer so spontane Aktionen, die in Indien dauernd passieren.
Wir haben ihnen versprochen, dass wir heute wiederkommen und mit ihnen tanzen. Wir bringen unsere ganze Truppe mit und werden dann hoffentlich alle beeindrucken :)

Franzi und ich in unseren neuen indischen Kleidern - extra zum Tanzen gekauft

Diese Woche war unsere Wirtschaftswoche, in der wir einige deutsche und eine indische Firma besuchen durften. Es war ganz interessant, auch wenn es hauptsächlich Werbeveranstaltungen der Unternehmen waren. Außerdem waren es ausschließlich Firmen, die im Automobilsektor arbeiten, der mich ja mal gar nicht interessiert. Trotzdem hatte ich schon einen gewissen Spaß dabei, zuzuschauen, wie Motorräder zusammen gebaut werden. Am Anfang der Kette erkennt man noch nicht, dass es überhaupt ein Motorrad werden soll, am Ende fahren die Leute mit den Dingern schon rum- faszinierend. Übrigens Papa: Für dich wären diese Besuche wahrscheinlich ein Traum gewesen! Musste des Öfteren an dich denken. Leider konnte man keine Fotos machen...
Eins allerdings gibt es, sieht aber mehr aus wie ein Werbebild:



Hier noch ein paar Tanzkurs-Fotos:

Gleich fängt´s an...noch ganz happy


und das ist hinterher...


Abschied vom Monsun...der letzte, heftigste Regen überhaupt

Dienstag, 5. Oktober 2010

Hier kommt das Baby Taj

Ein Foto vom Baby Taj in Aurangabad bin ich euch noch schuldig geblieben, obwohl ich es ja angekündigt hatte... hier kommt es:





Sonntag, 3. Oktober 2010

auf historischen Spuren...

Pune hat uns wieder, nachdem wir knappe vier Tage so richtige Touris sein durften. Unsere Reise führte uns zu den Ajanta & Ellora Höhlen, die etwa 5 Stunden nördlich von Pune liegen.

Die Höhlen stammen aus der Zeit zwischen 6. Jahrhundert v. Chr. und dem 8. Jahrhundert n. Chr. und wurden hauptsächlich von Buddhisten dort angelegt. Es gibt allerdings auch hinduistische und jainistische Höhlen, die entstanden, als der Buddhismus aus Indien verschwand. In Ajanta findet man vor allem Zeichnungen an den Höhlenwänden, die teilweise sehr detailliert und unglaublich plastisch sind. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass man damals schon so zeichnen konnte. Auch Farben, die aus allen möglichen natürlichen Rohstoffen hergestellt wurden, hat man dort benutzt.
In Ellora sieht man vor allem steinhauerische Kunstwerke und weniger Zeichungen. Die tollste und berühmteste Höhle dort wurde aus einem Felsen nach unten gehauen und enthält ganz viele dekorative Ornamente und Figuren. Ich werde unten ein Bild von dieser Kailash Höhle anhängen.

An zwei Tagen besichtigten wir diese Höhlen und verbrannten fast unter der prallen Sonne. In Ajanta wehte kein Lüftchen, das uns ein wenig erfrischt hätte und so blieb kein Hemd und keine Bluse trocken. Dafür wurden wir am Abend jeweils königlich belohnt mit der besten Erfrischung, die man sich wünschen kann: ein himmelblauer, kühler und von Palmen umstandener Pool! Klar, in einem 5-Sterne-Luxushotel erwartet man ja auch nichts anderes :) Wenn ich euch jetzt erzähle, dass wir für das Hotel keine Rupee zahlen mussten, sondern dass das Geld dafür wohl hauptsächlich aus euren Taschen, nämlich denen der deutschen Steuerzahler kam, würdet ihr mir sicher an die Gurgel gehen wollen, jetzt sofort, oder?! Ein Glück sitze ich in Pune und ziemlich weit weg... Den Pool jedenfalls haben wir bis zum Maximum ausgenutzt. Wir erfanden ein Spiel, dass entweder Frugby (Frisbee und Rugby vereint) oder "Pool und Todschlag" genannt werden kann. Es gibt zwei Team und das Ziel ist es, wie beim Rugby, die Frisbee bis hinter eine bestimmte Linie zu bringen. Das Ganze findet, klar, im Wassser statt und ähnlich hart wie beim Rugby ging es bie uns zu... Irgendwann sah die Frisbee eher aus wie ein gerolltes Blatt, hatte auch keine gerade Flugbahn mehr und die Spieler litten unter diversen Kratzern und blauen Flecken am ganzen Körper. Aber es machte unheimlich viel Spaß und wir spielten jeden Tag so ca. 2 Stunden lang.
Ich weiß nicht, wie viele von euch schon mal in einem 5-Sterne-Hotel waren, aber mein Fazit ist: so kann man es aushalten :) Weiche, weiße Betten, Klimaanlage, Terrasse, ein schönes Bad, alles so Dinge, die wir hier in unserer Wohnung nicht wirklich besitzen und auch deshalb fühlten wir uns wie im Himmel.
Den letzten Vormittag verbrachten wir komplett an und im Pool sowie im Fitness-Studio, das direkt auf den Pool blickte.

Am Abend versammelten wir uns auch um den Pool und spielten Gitarre, sangen und quatschen über dies uns das. Unsere Gruppe ist sehr heterogen, aber trotzdem verstehen wir uns super. Leider mussten wir uns am letzten Tag von Lara, unserem Kücken, verabschieden. Sie konnte leider wegen ihres Studiums nur 5 Wochen dabei sein und ist heute morgen zurück geflogen. Das war schon echt traurig, vor allem weil wir ja immer so viel miteinander unternommen haben. Lara, falls du das hier liest: Wir haben dich schon gestern vermisst, als es im Bus hieß: "Jetzt bitte die Koregaon-Park Leute aussteigen! Sabitha und Anjuli!"... und Lara!!! Ach nee, die ist ja schon weg...och Menno! Wirklich schade, dass du schon fliegen musstest, aber wir denken an dich und werden dich würdig vertreten hier.
Am zweiten Tag besichtigten wir neben den Höhlen noch ein Fort, eine Befestigungsanlage und das "Baby Taj", also das Taj Mahal im Kleinformat. Wow, war das toll. Ich habe das Taj Mahal ja noch nicht gesehen, aber war unglaublich beeindruckt von der kleinen Version. Unten gibt es ein Bild.

Der Ausflug nach Ajanta und Ellora gehörte übrigens zu unserem Geschichts-Modul. Wir haben jede Woche ein anderes Thema, das wir dann von möglichst vielen Seiten beleuchten. Am Anfang war es Soziologie, dann Recht und jetzt Geschichte. Morgen fängt Wirtschaft an, was die meisten von uns ja gar nicht mögen :/
Komischerweise gibt es in unserer Gruppe gar nicht so viel reine Wirtschaftswissenschaftler. Die meisten sind doch eher aus den Geisteswissenschaften, was mich am Anfang echt gewundert hat.
Wir sind jedenfalls gespannt, wie es weitergeht.
Ajanta und Ellora war so eine Art Bergfest, die Hälfte der Zeit ist vorbei! Unglaublich, wie schnell das immer geht...
Jetzt müssen wir die Zeit nutzen so gut es geht.
Heute hat unser Tanzkurs angefangen: 8 Stunden brauchen wir, um einen bestimmten Volkstanz zu erlernen, den wir dann nächste Woche bei einem Festival tanzen können zusammen mit der ganzen Masse, wir sind gespannt :)

Soweit von mir. Ich schicke euch ganz viele Grüße nach Deutschland und drücke euch ganz fest.
Lasst mal was hören
Krissi

Hier noch ein paar Bilder aus Ajanta und Ellora:

Ajanta

Nishit, unser Programmkoordinator und POSER! :)

Bat-Cave-Boys passend zum Ort

sleeping Buddha in Ajanta

alles aus einem Felsen gehauen - Kailash Höhle Ellora

Franzi und ich :)

Große Freude über unser Hotelzimmer


Noch größere Freude löste der hier aus :)

Samstag, 25. September 2010

Zwei Berühmtheiten in Pune



Das passiert wenn man einem Journalisten ALLE seine Bilder gibt...
Übrigens: der "Sakal" ist die meistverbreitete Marathi-Zeitung überhaupt :)
Autogramme später!

Los gehts - bunt und verrückt

Liebe Leser,

willkommen auf meinem Blog, in dem ich über meinen Alltag, meine Erlebnisse und meine Gefühle hier in Indien berichten werde.
Es sind ja nun schon vier Wochen vergangen, seit ich hier gelandet bin, im Land der Farben, der Musik, des Tanzens. So hat sich Indien jedenfalls von Anfang an präsentiert. Nun bin ich ja, wie ihr wisst, schon ein wenig Indien-erfahren und war somit nicht witklich überrascht, trotzdem ist die Stadt Pune ganz anders als der Rest Indiens, den ich schon besucht habe.
Pune, zweitgrößtes Stadt im Bundesstaat Maharashtra, liegt ein wenig erhöht auf ungefähr 500 Metern über dem Meeresspiegel. Damit ist das Klima hier deutlich erträglicher als beispielsweise in Mumbai, das ja am Meer liegt. Das ist übrigens auch immer der Punkt, den die Punenser gern mal erwähnen, wenn es darum geht, in welcher Stadt es sich besser lebt.
Generell gibt es eine kleine Rivalität beider Städte: unten (in Mumbai) sagt man, die Punenser seien provinziell und oben (in Pune) heißt es, die Mumbaier hätten keine Kultur.
Und da wären wir auch schon beim zweiten Punkt: Pune ist große Kulturhauptstadt Indiens und das Bildungszentrum. Es wird auch das "Oxford des Ostens" genannt, weil hier alle großen und renommierten Universitäten und Colleges sitzen.
Nebenbei boomt natürlich die Automobil-Industrie und die IT-Branche, weshalb vor allem deutsche Firmen sich hier angesiedelt haben. Trifft man hier Ausländer sind es meist Deutsche, aber wir haben auch Spanier und Franzosen getroffen.
Pune ist keine Touristenstadt, was man daran merkt, dass nur wenige Ausländer auf den Straßen zu sehen sind, und wenn, dass arbeiten sie hier.
Pune ist im Vergleich zu anderen indischen Städten sehr relaxed, schon fast gemütlich. Es gibt einigermaßen saubere Straßen und in unserem Wohnviertel sogar Bürgersteige. Das war ich vielleicht überrascht!!!
Es gibt hier in Pune sogar so etwas wie eine Altstadt mit fachwerkähnlichen Häusern, die zwar heruntergekommen, aber sehr interessant aussehen. Pune ist grün! Und allein das ist in Indien eine Sensation!!! Wenn ich von meinem Balkon aus dem Fenster schaue, gucke ich auf eine Palme und diverse Bananenstauden, herrlich.
Alles in allem also eine schöne Stadt, in der es sich gut wohnen lässt.
Nun aber genug zu Pune an sich.
Indien ist extrem, ja das kann ich nur bestätigen. Ich bin seit 4 Wochen hier und haben in dieser Zeit schon so viele verrückte Dinge erlebt, die mir in Deutschland nicht in 4 Jahren passieren. Zusammen mit einigen meiner Mit-Stipendiaten stand ich schon zweimal auf großer Bühne und einmal auf einer kleinen, wo ich die heilige Puja-Zeremonie (eine Art Gebetsritual) mitgestalten durfte.
Die Puja war echt witzig, zumal sich das, wie so oft in Indien, ganz spontan ergeben hatte. Ich war mit Tom, einem Mitstipendiaten in der Altstadt unterwegs. Weil bis gestern hier das Ganesha-Festival stattfand waren dort an jeder Ecke kleine Bühnen aufgebaut, auf denen eine Ganeshafigur stand. Wir laufen also durch die Straße und kommen an solch einer Bühne vorbei. Der "Bühnenwart" bedeutete uns dann zu warten, weil wohl gleich die Puja-Zeremonie losgehen sollte. Nun gut, wir setzten uns also und...warteten! In Indien gibt es kein "gleich" oder "sofort" und auch der Ausdruck "5 Minuten" sollte nicht allzu ernst genommen werden. Nicht umsonst heißt die Zeit hier nicht "Indian Standard Time", sondern "Indian Strechable Time". Wir warteten also geschlagen 45 Minuten dort, bevor überhaupt irgendetwas anfing. Langweilig wurde uns allerdings nicht, weil ständig Leute vorbeikamen, die sich mit uns unterhielten. Inder sind nicht schüchtern, wenn es darum geht, Ausländer anzusprechen.
Jedenfalls ging dann die Zeremonie los und ich hatte die große Ehre, das heilige Feuer zu schwenken - immer im Kreis, rechtsrum (falls ihr mal in die Verlegenheit kommen solltet). Danach bedankten sich alle mit einem Blumenstrauß und einer Kokosnuss. Ich war so gerührt, toll! Habt ihr schonmal gesehen, dass ein Japaner in Deutschland mit Weihwasser spritzen durfte? Ich auch nicht! Der Hinduismus ist sehr offen und weniger strikt in seiner Auslebungsart. Ein wenig ironisch ist allerdings die Tatsache, dass ich erstens Atheist bin und zweitens an diesem Tag menstruierte. Eigentlich darf man dann ja gar nicht in den Tempel, geschweige denn eine religiöse Zeremonie "leiten". Naja, ich habs ihnen nicht gesagt und ich glaube, es wird nichts passieren.
Das erste Mal auf großer Bühne stand ein kleiner Haufen unserer Truppe direkt in den ersten paar Tagen, als die ganze Stadt Lord Krishnas Geburtstag feierte. Wir stürzten uns in die Massen und wurden dann unter großem Jubel auf die Bühne gebeten, von der aus wir in die Menge blickten und uns schier die Spucke im Halse stecken blieb. Ich hänge unten ein paar Bilder an, damit ihr euch ein Bild machen könnt.
Unser letzter Bühnenauftritt war erst vor ein paar Tagen, als wir anlässlich des "Pune Festivals" zur Musical Night von "Master Salim" gingen und dort in den ersten Reihen saßen. Zu dieser Ehre waren wir auch wieder nur durch Zufall gekommen, weil wir am Tag davor ebenfalls bei einer Veranstaltung des Pune Festivals die Frau des Veranstalters getroffen hatten und diese uns einfach mal so 17 "Honoured Guest" (Ehrengast) Karten gab- für die ganze deutsche Gruppe - krass!!
Jedenfalls filmte uns die Kamera während der Show des Öfteren, auch weil wir sitzend total abgingen und fast noch mehr Stimmung machten als die Inder selbst. Irgendwann jedenfalls holte uns der Sänger auf die Bühne und wir tanzten eine Runde mit ihm. Vor uns im Saal bestimmt 3000 Leute oder mehr, ich kann es nicht so gut einschätzen.
Das Konzert war übrigens auch ein toller Ausdruck indischer Kultur: Beginn war eigentlich 21 Uhr, aber wirklich angefangen hat es ungefähr eine Dreiviertelstunde später. Dann aber ging es bis kurz vor 12 und der Mann wollte und wollte nicht aufhören zu singen. Am Ende durften die Zuschauer rufen, was sie noch hören wollen bzw. gingen von dich aus zum Bühnenrand und flüsterten ihm ihren Wunsch ins Ohr - unmöglich in Deutschland.
Das sind übrigens die zwei Dinge, die ich inzwischen als "indische Kulturstandards" ausgemacht habe: Ausdauer (beim Warten) und Geduld (beim Aushalten z.B. von langen Shows)
Am Tag davor waren wir bei einer anderen Veranstaltung vom Pune Festival, die klassischen indischen Gesang betraf. Ich kann nur sagen: jeder, der behauptet, so etwas zu genießen, muss auch sagen, dass er Katzenjammer schön findet!! Und das eine geschlagene Stunde lang!! Indische Ausdauer... Nicht so wie bei uns, wo ein Song vielleicht 5 Minuten dauert, nein, es muss eine Stunde sein.
Master Salim jedenfalls sang so lange weiter bis zwei Drittel des Publikums gegangen waren... auch normal in Indien, wie ich mir versichern ließ.
Wie mir gerade auffällt schreibe ich Romane... Das kommt davon, wenn man erst nach vier Wochen den ersten Eintrag schreibt. Bitte verzeiht mir!
Ich werde jetzt auch hier erstmal aufhören und das nächste Mal ein bisschen zu unserer Gruppe schreiben und zu den nächstlichen Aktivitäten. Es gibt nämlich, ihr werdet es kaum glauben, auch Clubs hier und Diskos. Und die sind hauptsächlich von Indern besucht.
Soweit so gut, ich hoffe, ihr seid alle wohlauf und es geht euch gut und es ist noch nicht zu kalt in Deutschland.
Hier kommt jetzt die "Oktoberhitze" wie ich mir sagen lassen habe mit Temperaturen um die 30 Grad und schwül.
Nicht neidisch sein
Seid alle lieb gegrüsst und gedrückt
eure Krissi

Straßenmalerei beim Ganpati-Fest


Die Menge beim Krishna-Festival

Michel, Amit und Franzi können es nicht glauben


Mit Master Salim auf großer Bühne beim Tanzen