Freitag, 5. November 2010

der Ernst des Lebens beginnt...

Ja ist denn heut schon Weihnachten? Seit ungefähr vier Tagen könnte man sich das ständig fragen, denn das große Diwali-Fest wird hier gerade gefeiert. Gestern hat es offiziell angefangen, heute ist der wichtigste Tag. Es erinnert schon sehr an Weihnachten, denn überall sieht man Lichterketten, geschmückte Häuser, dekorierte Geschäfte und Einkaufs-Malls, immer mit dem Thema Licht. Kein Wunder, denn das Diwali-Fest heißt auch "Festival of Lights". Es wird zu Ehren des Gottes Ram gefeiert dessen Geschichte wie folgt geht: er wird als Prinz im Königreich Ayodhya geboren. Er soll Kronprinz und Mitregent werden, doch seine Stiefmutter verhindert dies durch eine Intrige und so wird ihr Sohn Bharata an Ram´s Stelle Thronfolger. Ram wird für 14 Jahre in die Verbannung geschickt und muss dort gegen unzählige Dämonen kämpfen. Als seine Frau Sita entführt wird verbündet sich Ram mit verschiedenen Göttern und kann sie schließlich befreien. Er kehrt zurück ins Königreich und Bharata überlässt ihm freiwillig die Krone.

Die Lichter, die während des Diwali-Festes angezündet werden sollen Ram symbolisch den Weg nach hause in sein Königreich weisen. Ram gilt als der reinste und moralisch einwandfreieste Gott im indischen Pantheon. Es heißt, dass jeder Mensch auf der Erde jede Eigenschaften der indischen Götter in sich trägt. Wer die Eigenschaften von Ram in sich trägt, ist von tiefstem Herzen gut und hat einen reinen Geist, denn Ram hat alle Dämonen besiegt und somit sich selbst befreit. Deswegen ist Diwali auch so ein wichtiges Fest.
Zu Diwali gehört, dass das Haus blitzeblank geputzt wird, man sich neue Kleidung kauft und sich gegenseitig Süßigkeiten schenkt. Es ist ein großes Familienfest, zu dem alle Mitglieder der Familie zusammenkommen, Puja machen und essen.
Zusätzlich, und diese Tradition hat sich sicherlich erst später entwickelt, huldigt man an Diwali den Finanzbüchern (!) und der Göttin Lakshmi, die für Reichtum und gute Geschäfte steht. Für alle indischen Geschäftsmänner hat Diwali also eine noch stärkere Bedeutung. Wir sind heute abend auch bei Nishit, einem indischen Freund, eingeladen im Büro seines Onkels eine Puja für Lakshmi abzuhalten.
Ein zweites "Nebenprodukt", das mit Diwali auftaucht, sind Böller, die hier momentan unerlässlich gezündet werden. Ich konnte nicht herausfinden, was die Bedeutung davon ist, aber genauso gut könnte man fragen, warum wir an Silvester böllern und niemand könnte es wohl erklären.
Diwali ist also Weihnachten und Silvester in einem und dank dieses Festes hatte ich gestern und heute frei :)

Ansonsten hat sich mein Leben in den letzten zwei Wochen hier radikal geändert: unser schönes, durchgeplantes Programm ist zuende, das Praktikum hat angefangen und die meisten Leute aus unserer Gruppe haben sich in ganz Indien verteilt. Vor allem Franzi und Inga, mit denen ich hier in Pune so viel unternommen habe, mit denen ich quasi Tag und Nacht zusammen war (Franzi war meine Mitbewohnerin) fehlen hier unglaublich. Ich merke das jeden Tag, aber gut, da muss ich wohl durch und es wird ja auch bestimmt wieder besser. mein Trostpflaster ist, dass die beiden "nur" nach Mumbai gezogen sind, das knappe 4 Stunden von pune entfernt unten am Meer liegt. Morgen fahre ich die beiden besuchen, ich kann es kaum erwarten.
Meine neue Mitbewohnerin ist Marinka, die auch in meinem Programm ist und Steffi, die schon vorher mit mir gewohnt hat, ist auch geblieben. Wir drei sind also der klägliche Rest unserer supercoolen Truppe, die hier zwei Monate viel Spaß hatte. Es ist aber schön, weiter in Pune zu sein, weil ich die Stadt mittlerweile recht gut kenne und sehr mag. Hinzu kommt, dass wir hier einfach die perfekte Wohnung haben: zentral, günstig, komplett eingerichtet und gemütlich. Franzi udn Inga suchen gerade in Mumbai eine Wohnung und verzweifeln schier an dieser Mammutaufgabe. man glaubt gar nicht, wie teuer Wohnungen in Mumbai sind...

Zu meinem Praktikum kann ich noch nicht viel sagen. Ich war erst zwei Tage dort, an denen nicht viel anstand. Mittlerweile habe ich aber eine Einführung in das Programm bekommen, mit dem ich arbeiten werde und am Montag fange ich dann richtig an. Ach ja, für die, die es noch nicht wissen: ich arbeite hierfür das "Pune International Filmfestival" (kurz PIFF), das vom 6.-13. Januar stattfindet. Ich bin für den Festivalkatalog verantwortlich, was auch eine Mammutaufgabe ist. Meine erste Aufgabe ist nun, eine Datenbank mit allen Filminfos inklusive Regisseurbiographie etc. zu erstellen und alles in ein Format zu bringen, in dem es dann gedruckt werden kann. Ich bin sehr gespannt und freue mich auf die Herausforderung. Ist nämlich nicht so einfach, alle Informationen zu sammeln. Meine zweite Aufgabe wird die KOmmunikation mit den ausländischen Regisseuren sein, die nach Auswahl der Filme durch das "Selection Committee" eingeladen werden, aber das kommt später.
Meine Arbeitszeiten kommen meinem biologischen Rhythmus sehr zugute: ich fange um 10.30 an und ende so gegen 18 oder 19 Uhr, sehr entspannt. Das heißt, noch ist es so, wer weiß, wie wird je näher das Festival rückt...
Ein weiterer Glücksfall ist die Tatsache, dass im Büro immer Hindi gesprochen wird, auch wenn ich anwesend bin und offensichtlich zuhören möchte. Das heißt zwar im Moment noch, dass ich nichts als ein paar Wörter verstehe, aber ich hoffe, dass es bald besser wird. Natürlich sprechen meine Kollegen auch alle Englisch, das heißt, es gibt keine Verständigungsprobleme.

Letzte Woche waren wir 4 Tage in Goa, was wir sehr genossen haben. Wir hatten ein kleines, schnuckeliges Guesthouse driekt am Strand. Es gab dort nur 5 Zimmer, von denen wir zwei besetzten und eins von einem Inder aus Kanataka benutzt wurde. Es war also sehr ruhig und wir konnten morgens gemütlich auf der Terrasse sitzen und unsere morgendliche Kaffee-Omlette-Toast-Zeremonie genießen. Danach ging es an den Strand, wo wir uns in den typischen Strandliegen braten ließen. Ab und zu ein Sprung ins mehr oder weniger kühle Nass oder ein Getränk aus dem Strandrestaurant und schon war der Tag perfekt. An einem Tag hatte ich mir einen Scooter gemietet und fuhr mit den Jungs durch Goa, das war ein Spaß! Es war wahnsinnig grün, eine richtige Oase, überall Palmen und Bananenstauden. Jörg und ich waren ja im Januar schonmal dort, aber da war es eher trocken, denn es war das Ende der Trockenzeit. Diesmal war es das Ende der Regenzeit und das war noch sehr deutlich zu spüren, alles grünte und blühte und man fühlte sich wie neu geboren in diesem grünen Paradies.
Einen Abend verbrachten wir in Panjim, Goas Hauptstadt, das war wie ein Kurztrip nach Portugal. Goa war ja mal eine portugiesische Kolonie und das ist noch sehr stark zu spüren: die Häuser, die Atmosphäre, alles wirkt so mediterran! Es war herrlich. Wir saßen in einem kleinen Straßenrestaurant, in einer engen Gasse, die mit Lichterketten dekoriert war und lauschten portugiesischen Klängen. Das Restaurant war voll mit Europäern, was das Gefühl in Portugal zu sein noch verstärkte. Und der Wein war super lecker (was in Indien durchaus nicht die Norm ist).
Den letzten feierten wir, wie es sich für Goa gehört. Alles in Allem war es ein toller Kurzurlaub, knapp vor Start der Saison, was alles angenehm machten: die Preise waren noch angemessen, der Strand überhaupt nicht voll und die Anzahl von Russen hielt sich nach in Maßen. Jetzt möchte ich nicht da sein, denn an Diwali ist dort die Hölle los.
So, nun habe ich aber genug berichtet. Ich hänge noch ein paar Fotos von Goa an.
Ich hoffe, euch alles geht es gut.
Übrigens: falls ihr mal eine Karte, einen Brief oder ein Päkchen loswerden wollt, könnt ihr es gern an mich schicken, meine Adresse funktioniert tatsächlich:

Kristin Piesker
773/3 Prabhat Road, Lane 7, "Four Fountain Spa" Building
411004 Pune, India

Freu mich natürlich über alle Post :)

Dann wünsch ich euch allen HAPPY DIWALI!!!

Die drei Strandnixen :) links Franzi, rechts Inga


entspanntes Frühstücken


der Blick von unserem Balkon


kleiner Ausflug nach Portugal

die ganze Goa-Crew

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