Wer hätte gedacht, dass ich, die in Deutschland noch nie einen Fuß aufs Oktoberfest gesetzt hat, hier in Pune dazu kommen würde?
Aber wie es so oft ist im Leben, es kommt immer anders als man denkt. Und so kam es also, dass ich das Wochenende auf der indischen Version des Münchner Traditionsfest verbrachte.
Ich kann zwar nicht einschätzen, wie original das alles war, aber ich fand doch, dass es schon sehr bayerisch wirkte dort, nicht zuletzt, weil die "Sulmtaler" auftraten und Volksmusik spielten.
Organisiert war das Ganze von der Außenhandelskammer und dementsprechend war das Publikum einigermaßen auserlesen: Expats, reiche indische Businessmen, ein paar Studenten, die üblichen Verdächtigen, die man immer in Begleitung von Ausländern sieht und wir!
Es war echt sehr spaßig, die ausgefallenen Outfits der Leute und ihre prolligen Autos vor dem Tor zu bestaunen (und sich insgeheim ins Fäustchen zu lachen, weil man selbst ja niemandem besonders gefallen muss).
Es gab Erdinger Weißbier und Radebergen, Brezeln (fast original), Kässpatzen und Bratwurst. Also alles, was das deutsche Herz begehrt :) (Nein, nein, wir bedienen keine Klischees!)
Später, als es dann dunkel wurde und die Band nicht nur Schunkellieder, sondern auch echt coole deutsche Hits zum Besten gab, wurde ordentlich getanzt. Natürlich auch auf den Bänken, wie es sich gehört! Und wie es auch so ist, musste ich natürlich einbrechen und mir meinen sowieso schon lädierten Fuß umdrehen.
Es ging allerdings ziemlich schnell wieder ziemlich gut, so dass ich im Anschluss noch in eine Disko gehen und dort abtanzen konnte :) Show must go on!
Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie die Leute da abgingen auf diesem Fest. Okay, sicherlich lag es auch ein bisschen am Bier, was reichlich floß, aber das ist mir schon ein paar mal aufgefallen: die Inder können richtig gut feiern!!! Und da sieht man kein Rumgezicke der Männer, die mit verschränkten Armen in der Ecke stehen und sagen: Ich tanze nicht! Ganz im Gegenteil, es sind vor allem die Männer, die richtig heftig abtanzen.
A propos Abtanzen: unser Tanzunterricht, bei dem wir zwei indische Volkstänze gelernt haben, ist nun vorbei und wir sind gewappnet für die öffentlichen Darbietungen, bei denen jeder mittanzen kann.
Gerade läuft nämlich schon wieder ein Festival, das der Kriegsgöttin Durga geweiht ist. Es heißt Navratri und bedeutet: 9 Nächte. Neun Nächte lang werden diese zwei Tänze überall aufgeführt, auf der Straße, in Säalen und auf Bühnen. Franzi und ich hatten gestern eine spontane Dandiya- Tanz-Session auf der Straße. Wir kamen gerade aus dem Kino und waren auf dem Heimweg, als wir auf der Straße eine ganze Meute von Menschen Dandiya tanzen sahen. Dieser Tanz wird mit zwei Stöcken getanzt, die man im Takt gegeneinander schlägt. Es läuft im Kreis ab, so dass man immer wechselnde Partner hat.
Spontan entschlossen wir uns, auszusteigen und uns umzusehen. Und schwupp die wupp hatten wir zwei Dandiya-Stöcke in der Hand und tanzten mit den Leuten. Es war einfach toll. Da waren Jung und Alt, Mann und Frau und alle tanzten zusammen mitten auf der Straße.
Wir wurden natürlich sehr herzlich begrüßt und hatten sogleich eine ganze Kinderschar um uns herum. Als wir dann mittanzten waren aller begeistert. Danach wurden wir auf eine Cola eingeladen und später mit der Rikshaw nach hause gefahren- ohne, dass sie dafür Geld wollten! Krass, oder? Die Menschen sind hier so gastfreundlich, das ist unglaublich! Es sind immer so spontane Aktionen, die in Indien dauernd passieren.
Wir haben ihnen versprochen, dass wir heute wiederkommen und mit ihnen tanzen. Wir bringen unsere ganze Truppe mit und werden dann hoffentlich alle beeindrucken :)
Diese Woche war unsere Wirtschaftswoche, in der wir einige deutsche und eine indische Firma besuchen durften. Es war ganz interessant, auch wenn es hauptsächlich Werbeveranstaltungen der Unternehmen waren. Außerdem waren es ausschließlich Firmen, die im Automobilsektor arbeiten, der mich ja mal gar nicht interessiert. Trotzdem hatte ich schon einen gewissen Spaß dabei, zuzuschauen, wie Motorräder zusammen gebaut werden. Am Anfang der Kette erkennt man noch nicht, dass es überhaupt ein Motorrad werden soll, am Ende fahren die Leute mit den Dingern schon rum- faszinierend. Übrigens Papa: Für dich wären diese Besuche wahrscheinlich ein Traum gewesen! Musste des Öfteren an dich denken. Leider konnte man keine Fotos machen...
Eins allerdings gibt es, sieht aber mehr aus wie ein Werbebild:
Hier noch ein paar Tanzkurs-Fotos:
Looks Beautiful krissi on Salwar and lastly
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