Montag, 11. April 2011

Reisen mit Mama Teil II

Wie bereits angekündigt kommt hier nun der zweite Teil der Rundreise mit Mama.
Nach Mumbai war Jodhpur, die blaue Stadt in Rajasthan, unsere Station. Ich war 2007 schon einmal dort und wollte Mama unbedingt das leckere "special lassi", ein aus dickflüssigem Joghurt, Sahne und Trockfrüchten hergestelltes Getränk, probieren lassen. Deshalb und ganz nebenbei wegen der riesigen Befestigungsanlage, die die Stadt überragt und der ganzen blau angemalten kleinen Häuschen der Altstadt... :)
Unser Guesthouse lag malerisch inmitten der Altstadt und hatte überall verwinkelte kleine Räume und Treppen und eine tolle Dachterrasse von der aus man das Fort sehen konnte. In der Nacht wurde es angestrahlt, was uns natürlich zu einigen Fotosessions animiert hat.
Eine nette Geschichte erlebten wir in Jodhpur: Mama wollte ein Bild kaufen und so verschlug es uns in die kleine Malerei-Schule von Vijay, der für wenig bis gar kein Geld Kurse in Miniaturmalerei anbietet und ein gorßes, reines Herz hatte. Zuerst war ich natürlich skeptisch, so wie es mich meine Indien-reise-Erfahrung gelehrt hat, aber ziemlich schnell wure klar, dass Vijay ein feiner Kerl war und kein profigieriger Geier. So unterhielten wir uns lange und am Ende kaufte Mama tatsächlich ein schönes Bild mit Elefant. Bei zweiten Besuch, als wir den Rahmen abholten, lud uns Vijay zum Essen ein und wir nahmen im Hinterraum Platz und genossen sau leckeres Dal-Bhati (Spezialität aus Rajasthan) zusammen mit seinem kleinen Neffen (siehe Bild).
Das erlebt man ja immer wieder in Indien: unendliche Gastfreundschaft, die einem das Herz für dieses Land immer weiter öffnet.
Die blaue Stadt von oben Prinzessinnenpalast

Aufbruch

Mama und Vijays Neffe beim Dal-Bhati Essen

Am letzten Tag in Jodhpur nahmen Mama und ich an einer Kamelsafari teil. Ja, ihr habt richtig gehört: Kamele haben wir geritten!!! Gut, für mich war das ja schon Routine, ich alter Kameltreiber , ha :) (ich war ja 2007 schonmal in Rajasthan und habe dort eine zweitägige Tour gemacht, insofern kann man wirklich von Erfahrung sprechen). Für Mama war es das erste und bleibt es wohl auch das einizige Mal. Nicht dass ihr Kamel "Rowdie" so wild gewesen wäre, aber so ein Kamelrücken fühlt sich dann doch ein bisschen wie ein schaukelndes Boot bei starkem Seegang an. Die Safari aber führte uns durch menschenleere Wüstengegenden bis hin zu einem kleinen Häuschen, wo wir einheimisches Essen und einen Einblick in die Lebensbedingungen der Menschen dort bekamen: 6 Kinder, alle Rotznasen, Fliegen überall, aber ein Lächeln auf allen Gesichtern, verrückt!
Hier ein paar Fotos:

Mama und ihr "Rowdie" haha

Wüstenmädels und -junge

Brennende Hitze

So sieht es aus, wenn man sein Kamel sattelt...

Nach drei Tagen im kulturell reichen Rajasthan flogen wir in einem 2-Tages-Trip ganz in den Süden Indiens nach Kerala. Die letzte Strecke von Bangalore nach Trivandrum saßen wir in einem Mini-Propeller-Flugzeug, das nicht gerade vertrauenserregend wirkte. Was wenn der Propeller plötzlich ausfällt mitten in der Luft???
Naja, wir überlebten Gott sei Dank und schon waren wir inmitten von Palmen und Bananenstauden und Cocosnussgerüchen und berockten Männern mit dunklen Gesichtern. Im Süden Indiens sind die Menschen ja tatsächlich viel dunkler als im Norden. Und Dhotis bzw. Lunghis, das sind Tücher, die sich die Männer als "Rock" um die Beine schlingen, werden fast ausschließlich getragen. Je nach Wetterlage oder Tätigkeit kann der Rock lang getragen oder bis über die Knie hochgeschlagen werden- sehr praktisch.
Wir verließen den Flughafen und schon stand uns der Schweiß auf der Stirn, bald lief er den Rücken entlang und ganz bald sahen wir aus wie geduscht. Unglaublich wie schwül es dort unten ist. Schwül und heiß, so dass man sich tagsüber kaum bewegen mag.
Mama und ich fuhren daraufhin erstmal nach Varkala, an einenvon wenigen Stränden in Kerala, an denen man im Bikini und auf "westliche-Art" (heißt Sardine am Strand) sonnenbaden "darf". Das darf steht nur in Klammern, weil es natürlcih physisch möglich wäre, nur würde man sich ziemlich unwohl fühlen zwischen all den Saree-bekleideten Frauen und Männern in Hose und Hemd, wenn man halb nackt am Strand rumhängt und dauernd verwundert bis entsetzte Blicke erntet. Die gibt es zum Teil auch in Varkala, nur da liegen ja auch mehr Touristen rum, von denen die meisten viel mehr entsetzte Blicke ernteten als wir... ;)
Drei Tage verbrachten wir dort, unter anderem die Nacht auf meinen Geburtstag. Wir feierten rein mit einer illustren Gruppe aus der ganzen Welt, die wir dort kennengelernt hatten. Alle waren sie so genannte "Traveller", also Leute, die nicht nur spröden "Urlaub" machen, sondern "reisen" und die Welt möglichst "low budget", heißt mit so wenig Knete wie möglich, in möglichst viel Zeit erkunden.
Ich kriege die Namen jetzt gar nicht mehr zusammen, aber da gab es einen verrückten Portugiesen, der nie aufgehört hat von sich und seinem tollen "Reiseprojekt" zu schwärmen, den gealterten Engländer, der Frau und Kinder jedes Jahr mehrere Monate zuhause lässt, um im Süden Indiens Pegeltrinken zu betreiben (aber ein ganz lieber Charakter! Wirklich!), die zwei Amis, die sich - scheinbar dauerbekifft - gegenseitig Spritzen in den Arm jagen (nee, der eine hatte nen Autounfall und bekam seine Schmerzmittel vom anderen gespritzt...verrückt genug, aber für meine Story brauchte ich was noch Härteres :)) und Bruder und Schwester aus Australien, die sich erst noch an die indische Mentalität gewöhnen müssen.
Es kamen noch ein paar andere hinzu und Mama war begeistert, wie einfach sich beim Reisen Leute kennen lernen lassen. In dem Engländer hatte sie dann auch jemanden in ihrer Altergruppe gefunden, der ihr obendrein noch dabei half, ihr Englisch aufzubessern. Um 12 gabs ein Happy Birthday für mich und ab ins Bett. Das Klima hat keine Gnade mit allem Lebenden und so fielen wir jeden Abend wie tot ins Bett, obwohl wir am Tag nicht viel getan hatten außer Shopping (von dieser Leidenschaft hatte ich ja schon berichtet) und im Schatten sitzen.

überfüllter Strand in Varkala

Abends wirds leerer


weg vom Touristenstrand hin zum Paradies

meine "Geburtstagsfeier"

Unser nächster Anlaufpunkt war Alleppey, von wo aus wir eine 22-stündige Hausboottour machten, die, natürlich eine Übernachtung dort einschloß. Das war entspannend! Nach all dem Touristennepp in Varkala fanden wir uns in atemberaubender Kulisse in völliger Stille wieder und genossen es. Ein kurzer Stopp im ayurvedischen Massagezentrum inklusive Ganzkörper-Öl-Massage trug noch mehr zur allgemeinen Entspannung bei. Alles in Allem ein entspannter Geburtstag :)

Die berühmten Backwaters von Kerala



So idyllisch...

Bootskapitän

Völlig ölig nach der Massage...aber entspannt! :)

Unser Bötchen legte in Kochi an, wo wir eine Nacht in einem niedlichen Guesthouse verbrachten, das von einer Italienerin und ihrem indischen Mann geführt wurde. Kochi ist ein kleines Fischerstädtchen, das zwar sehr touristisch, dafür aber auch entspannt und gemütlich daher kommt. Die Rikscha-fahrer waren extrem ehrlich und wollten uns nicht - wie sonst eigentlich mmer- mit überhöhten Fahrpreisen abzocken, es gab kleine Restaurants auf der Straße und die für Kochi berühmten Fischernetze, die wie riesige Zelte über dem Fluss schweben und regelmäßig rein- und rausgezogen werden.
Diese Eintrag endet mit ein paar Bildern aus Kochi, denn ich finde, nun habe ich genug eurer Zeit eingenommen... Bis zum nächsten Mal! (dann folgt Reisen mit Mama Teil III ... aber der wird kürzer, versprochen!)

Fischernetze



Hinterhof

das süßeste Lächeln der Welt :)







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