Hallo liebe Freunde,
der Ernst des Lebens hat fuer mich angefangen und seit mittlerweile 14 Tagen arbeite ich fuer PIFF (Pune International Film Festival), das im Januar hier stattfindet.
Die Arbeit an sich ist zur Zeit noch relativ monoton. Meine Aufgabe ist es, den Katalog zu erstellen. Das bedeutet, dass ich zu allen Filmen, die waehrend des Festivals gezeigt werden, Informationen sammeln und in eine Datenbank einpflegen muss. Es waere so einfach, wenn jeder, der hier einen Film einreicht, sofort alle technischen Angaben sowie Inhaltszusammenfassung, Bio- und Filmographie des Autors hinzufuegen wuerde, nur sind wir ja hier nicht in Deutschland... Das hier ist Indien und, wie in so vielen anderen Bereichen, laeuft es hier ein wnig chaotischer als bei uns. Fuer mich heisst das nun, dass ich 7 Stunden am Tag vor dem Bildschirm sitze und - teilweise verzweifelt - Informationen zu allen Filmen einhole. Das ist also im Grossen und Ganzen meine Arbeit im Moment... Und ich werde wieder in der Ansicht bestätigt, dass ich AUF KEINEN FALL einen Job möchte, wo ich den ganzen Tag nur vor dem PC sitze!!!
Aber je näher das Festival rückt, desto mehr Arbeit wird auf mich zukommen. Letzten Samstag zum Beispiel hatten wir ein Treffen mit dem japanischen Konsul, denn da unser Fokus dieses Jahr auf Japan liegt, sollen die ein kuturelles Programm zusammenstellen, was dann dort aufgeführt wird. War ziemlich interessant, wie informell das alles ablief. Mein Chef meinte dann nur so: Ja, machen Sie einfach irgendwas, Hauptsache es wird nicht langweilig. Der Konsul selbst war in Jeans und Polohemd da, also nichts von wegen Etikette und so, lustig.
Heute habe ich kurz vor 6 erfahren, dass wir um 6 ein Meeting haben mit dem Chef. Blöderweise hatte ich schon etwas mit meiner Hindilehrerin ausgemacht und prompt konnte ich nicht teilnehmen. Letztlich hat das Meeting dann doch nicht stattgefunden, aus welchen Gründen auch immer.
Das ist übrigens sehr häufig hier anzutreffen: Informationen werden einfach nicht weiter gegeben. Ich saß schon so oft auf der Arbeit und erfuhr erst in der letzten Minuten von wichtigen Dingen. Neulich war ich für ein Wochenende in Mumbai, um Franzi und Inga zu besuchen und, in der Annahme ich müsste a Montag arbeiten, bin ich Sonntag abend nach Pune zurück gefahren. Montagmorgen um halb 10, ich war schon auf dem Weg zur Arbeit, bekomme ich einen Anruf von meinem Kollegen: "Heute ist frei übrigens, du brauchst nicht zu kommen." Wie bitte??? Ja, er hatte es auch schon am Freitag gewusst, mir nur nicht mitgeteilt. Toll. Da hätte ich noch einen Tag in Mumbai verlängern können... Solche und viele andere Situationen nerven.
Eine zweite Sache, die mich im Moment ein wenig nervt, ist, dass meine Kollegen immer Witze machen, die ich nicht verstehe und die, in gewisser Hinsicht auf meine Kosten gehen.
Ein Beispiel: Sie erzählen mir, dass einer von ihnen, Vishal, im nächsten Jahr heiratet (Vishal war anwesend). Und meine Reaktion war natürlich: "Oh, wie schön, wann denn?" Dann ging das Gelächter los. Ich uwsste gar nicht was passiert war und fragte nach, was jetzt so lustig sei. Irgendwie unter den Prustern bekam ich dann mit, dass Vishal der ewige Junggeselle ist und warscheinich nie heiraten wird. Schön, das mag zwar für alle anderen lustig sein, aber nicht für mich in diesem Moment, weil ich einfach nicht eingeweiht bin in die Details. Solche Scherze passieren ständig. Ich denke ja, sie wollen sich eigentlich gegenseitig aufziehen, aber sie "benutzen" mich halt dafür. Das hat dann zur Folge, dass ich mich ausgeschlossen fühle. Vor allem, wenn ich dann nachfrage, dann wird noch mehr gelacht und mittlerweile lasse ich es einfach.
Ich glaube schon, das ist einfach ihr Humor, nur kann ich damit nicht viel anfangen.
Sonst sind meine Kollegen nämlich eigentlich total lieb. Sie sprechen ja immer nur Hindi untereinander und da hab ich eine gute Gelegenheit, mein Hindi zu verbessern. Mittlerweile sprechen sie mich auch immer auf Hindi an, aber ich verstehe nur in seltenen Fällen wirklich etwas. Aber ich glaube das wird langsam.
Okay, ich sehe schon wieder, ich schreibe Romane.
Soviel für heute, ich bin müde und geh bestimmt bald schlafen. Hab jetzt immer ein morgendliches Trainingprogramm im Fitness-Studio, dafür stehe ich halb 7 auf :)
Ich hoffe, ihr seid alle wohlauf.
Grüße und Küsse nach Deutschland
P.S.: Weihnachtet es schon sehr?
Donnerstag, 18. November 2010
Mittwoch, 10. November 2010
mähm mähm määääähhhhmmmm machts in Pune
Wenn man in einem fremden, fernen Land lebt, macht man fast täglich neue Erfahrungen. Täglich gibt es andere Herausforderungen, macht man Dinge, die man noch nie in seinem Leben getan hat oder die in Deutschland einfach nicht möglich wären. Eine solche neue Erfahrung durfte ich heute machen: ich bin das erste Mal mit einem kleinen Roller unter dem Hintern durch den verrückten Straßenverkehr von Pune City gerast! Das Ding war ein Leihstück von einem brasilianischen Freund, der ihn gerade nicht braucht und so kam ich in den "Genuss" dieser Erfahrung.
Das Ganze war eine wirklich riesige Herausforderung und dass Nishit, ein indischer Freund, vor mir gefahren ist hat das Ganze nicht viel besser gemacht. Im Gegenteil, Nishit ist so eine Art indischer Michael Schuhmacher, der sich gern links und rechts an allen anderen Verkehrsteilnehmern vorbeischlängelt und kreuz und quer von einer Seite der Fahrbahn auf die andere wechselt. Bei Kreuzungen heißt es hier ja immer "der Stärkere gewinnt" und Nishit ist meist der Stärkere...
Das Problem war, dass ich ihm folgen MUSSTE, weil ich natürlich den Weg nicht kannte. Hinzu kam, dass er sich die ganze Zeit mit mir unterhalten wollte: "Krissi, hast du Hunger?" (zwischen zwei Autos auf einer riesigen Straße), "Krissi, möchtest du einen Film sehen?" (auf einer noch größeren Straße, neben uns Busse und tausend andere Motorräder), "Krissi, willst du was einkaufen?" (in der "Fußgängerzone" Punes, oder zumindest fühlte es sich so an, weil ich nur damit beschäftigt war, irgendwelchen Fußgängern auszuweichen)
Irgendwann musste ich ihn dann etwas lauter ansprechen und ihm klar machen, dass ich nicht fahren und reden gleichzeitig kann und dass ich in diesem Moment erst recht weder was essen, noch was einkaufen noch einen Film schauen wollte. Ich wollte dann einfach irgendwann ankommen. Nach einer halben Stunde hatten wir dann Gott sei Dank unseren Bestimmungsort erreicht und ich war einigermaßen fertig mit den Nerven.
Als das dann vorbei war, war ich stolz auf mich und irgendwie hatte es auch Spaß gemacht, im Slalom den Autos und Rikshaws auszuweichen und sich nicht von anderen Zweirädern einschüchtern zu lassen, sondern einfach drauf los zu fahren.
Ich bin jetzt definitiv bereit für einen eigenen Scooter, den ich mir ab nächster Woche ausleihen werde. Bitte Mama, Papa und Oma und Opa, macht euch keine Sorgen! Ich kauf mir einen Helm und ich fahre nicht schnell, ihr kennt mich ja ;)
Bahn frei!!!
Das Ganze war eine wirklich riesige Herausforderung und dass Nishit, ein indischer Freund, vor mir gefahren ist hat das Ganze nicht viel besser gemacht. Im Gegenteil, Nishit ist so eine Art indischer Michael Schuhmacher, der sich gern links und rechts an allen anderen Verkehrsteilnehmern vorbeischlängelt und kreuz und quer von einer Seite der Fahrbahn auf die andere wechselt. Bei Kreuzungen heißt es hier ja immer "der Stärkere gewinnt" und Nishit ist meist der Stärkere...
Das Problem war, dass ich ihm folgen MUSSTE, weil ich natürlich den Weg nicht kannte. Hinzu kam, dass er sich die ganze Zeit mit mir unterhalten wollte: "Krissi, hast du Hunger?" (zwischen zwei Autos auf einer riesigen Straße), "Krissi, möchtest du einen Film sehen?" (auf einer noch größeren Straße, neben uns Busse und tausend andere Motorräder), "Krissi, willst du was einkaufen?" (in der "Fußgängerzone" Punes, oder zumindest fühlte es sich so an, weil ich nur damit beschäftigt war, irgendwelchen Fußgängern auszuweichen)
Irgendwann musste ich ihn dann etwas lauter ansprechen und ihm klar machen, dass ich nicht fahren und reden gleichzeitig kann und dass ich in diesem Moment erst recht weder was essen, noch was einkaufen noch einen Film schauen wollte. Ich wollte dann einfach irgendwann ankommen. Nach einer halben Stunde hatten wir dann Gott sei Dank unseren Bestimmungsort erreicht und ich war einigermaßen fertig mit den Nerven.
Als das dann vorbei war, war ich stolz auf mich und irgendwie hatte es auch Spaß gemacht, im Slalom den Autos und Rikshaws auszuweichen und sich nicht von anderen Zweirädern einschüchtern zu lassen, sondern einfach drauf los zu fahren.
Ich bin jetzt definitiv bereit für einen eigenen Scooter, den ich mir ab nächster Woche ausleihen werde. Bitte Mama, Papa und Oma und Opa, macht euch keine Sorgen! Ich kauf mir einen Helm und ich fahre nicht schnell, ihr kennt mich ja ;)
Bahn frei!!!
Freitag, 5. November 2010
der Ernst des Lebens beginnt...
Ja ist denn heut schon Weihnachten? Seit ungefähr vier Tagen könnte man sich das ständig fragen, denn das große Diwali-Fest wird hier gerade gefeiert. Gestern hat es offiziell angefangen, heute ist der wichtigste Tag. Es erinnert schon sehr an Weihnachten, denn überall sieht man Lichterketten, geschmückte Häuser, dekorierte Geschäfte und Einkaufs-Malls, immer mit dem Thema Licht. Kein Wunder, denn das Diwali-Fest heißt auch "Festival of Lights". Es wird zu Ehren des Gottes Ram gefeiert dessen Geschichte wie folgt geht: er wird als Prinz im Königreich Ayodhya geboren. Er soll Kronprinz und Mitregent werden, doch seine Stiefmutter verhindert dies durch eine Intrige und so wird ihr Sohn Bharata an Ram´s Stelle Thronfolger. Ram wird für 14 Jahre in die Verbannung geschickt und muss dort gegen unzählige Dämonen kämpfen. Als seine Frau Sita entführt wird verbündet sich Ram mit verschiedenen Göttern und kann sie schließlich befreien. Er kehrt zurück ins Königreich und Bharata überlässt ihm freiwillig die Krone.
Die Lichter, die während des Diwali-Festes angezündet werden sollen Ram symbolisch den Weg nach hause in sein Königreich weisen. Ram gilt als der reinste und moralisch einwandfreieste Gott im indischen Pantheon. Es heißt, dass jeder Mensch auf der Erde jede Eigenschaften der indischen Götter in sich trägt. Wer die Eigenschaften von Ram in sich trägt, ist von tiefstem Herzen gut und hat einen reinen Geist, denn Ram hat alle Dämonen besiegt und somit sich selbst befreit. Deswegen ist Diwali auch so ein wichtiges Fest.
Zu Diwali gehört, dass das Haus blitzeblank geputzt wird, man sich neue Kleidung kauft und sich gegenseitig Süßigkeiten schenkt. Es ist ein großes Familienfest, zu dem alle Mitglieder der Familie zusammenkommen, Puja machen und essen.
Zusätzlich, und diese Tradition hat sich sicherlich erst später entwickelt, huldigt man an Diwali den Finanzbüchern (!) und der Göttin Lakshmi, die für Reichtum und gute Geschäfte steht. Für alle indischen Geschäftsmänner hat Diwali also eine noch stärkere Bedeutung. Wir sind heute abend auch bei Nishit, einem indischen Freund, eingeladen im Büro seines Onkels eine Puja für Lakshmi abzuhalten.
Ein zweites "Nebenprodukt", das mit Diwali auftaucht, sind Böller, die hier momentan unerlässlich gezündet werden. Ich konnte nicht herausfinden, was die Bedeutung davon ist, aber genauso gut könnte man fragen, warum wir an Silvester böllern und niemand könnte es wohl erklären.
Diwali ist also Weihnachten und Silvester in einem und dank dieses Festes hatte ich gestern und heute frei :)
Ansonsten hat sich mein Leben in den letzten zwei Wochen hier radikal geändert: unser schönes, durchgeplantes Programm ist zuende, das Praktikum hat angefangen und die meisten Leute aus unserer Gruppe haben sich in ganz Indien verteilt. Vor allem Franzi und Inga, mit denen ich hier in Pune so viel unternommen habe, mit denen ich quasi Tag und Nacht zusammen war (Franzi war meine Mitbewohnerin) fehlen hier unglaublich. Ich merke das jeden Tag, aber gut, da muss ich wohl durch und es wird ja auch bestimmt wieder besser. mein Trostpflaster ist, dass die beiden "nur" nach Mumbai gezogen sind, das knappe 4 Stunden von pune entfernt unten am Meer liegt. Morgen fahre ich die beiden besuchen, ich kann es kaum erwarten.
Meine neue Mitbewohnerin ist Marinka, die auch in meinem Programm ist und Steffi, die schon vorher mit mir gewohnt hat, ist auch geblieben. Wir drei sind also der klägliche Rest unserer supercoolen Truppe, die hier zwei Monate viel Spaß hatte. Es ist aber schön, weiter in Pune zu sein, weil ich die Stadt mittlerweile recht gut kenne und sehr mag. Hinzu kommt, dass wir hier einfach die perfekte Wohnung haben: zentral, günstig, komplett eingerichtet und gemütlich. Franzi udn Inga suchen gerade in Mumbai eine Wohnung und verzweifeln schier an dieser Mammutaufgabe. man glaubt gar nicht, wie teuer Wohnungen in Mumbai sind...
Zu meinem Praktikum kann ich noch nicht viel sagen. Ich war erst zwei Tage dort, an denen nicht viel anstand. Mittlerweile habe ich aber eine Einführung in das Programm bekommen, mit dem ich arbeiten werde und am Montag fange ich dann richtig an. Ach ja, für die, die es noch nicht wissen: ich arbeite hierfür das "Pune International Filmfestival" (kurz PIFF), das vom 6.-13. Januar stattfindet. Ich bin für den Festivalkatalog verantwortlich, was auch eine Mammutaufgabe ist. Meine erste Aufgabe ist nun, eine Datenbank mit allen Filminfos inklusive Regisseurbiographie etc. zu erstellen und alles in ein Format zu bringen, in dem es dann gedruckt werden kann. Ich bin sehr gespannt und freue mich auf die Herausforderung. Ist nämlich nicht so einfach, alle Informationen zu sammeln. Meine zweite Aufgabe wird die KOmmunikation mit den ausländischen Regisseuren sein, die nach Auswahl der Filme durch das "Selection Committee" eingeladen werden, aber das kommt später.
Meine Arbeitszeiten kommen meinem biologischen Rhythmus sehr zugute: ich fange um 10.30 an und ende so gegen 18 oder 19 Uhr, sehr entspannt. Das heißt, noch ist es so, wer weiß, wie wird je näher das Festival rückt...
Ein weiterer Glücksfall ist die Tatsache, dass im Büro immer Hindi gesprochen wird, auch wenn ich anwesend bin und offensichtlich zuhören möchte. Das heißt zwar im Moment noch, dass ich nichts als ein paar Wörter verstehe, aber ich hoffe, dass es bald besser wird. Natürlich sprechen meine Kollegen auch alle Englisch, das heißt, es gibt keine Verständigungsprobleme.
Letzte Woche waren wir 4 Tage in Goa, was wir sehr genossen haben. Wir hatten ein kleines, schnuckeliges Guesthouse driekt am Strand. Es gab dort nur 5 Zimmer, von denen wir zwei besetzten und eins von einem Inder aus Kanataka benutzt wurde. Es war also sehr ruhig und wir konnten morgens gemütlich auf der Terrasse sitzen und unsere morgendliche Kaffee-Omlette-Toast-Zeremonie genießen. Danach ging es an den Strand, wo wir uns in den typischen Strandliegen braten ließen. Ab und zu ein Sprung ins mehr oder weniger kühle Nass oder ein Getränk aus dem Strandrestaurant und schon war der Tag perfekt. An einem Tag hatte ich mir einen Scooter gemietet und fuhr mit den Jungs durch Goa, das war ein Spaß! Es war wahnsinnig grün, eine richtige Oase, überall Palmen und Bananenstauden. Jörg und ich waren ja im Januar schonmal dort, aber da war es eher trocken, denn es war das Ende der Trockenzeit. Diesmal war es das Ende der Regenzeit und das war noch sehr deutlich zu spüren, alles grünte und blühte und man fühlte sich wie neu geboren in diesem grünen Paradies.
Einen Abend verbrachten wir in Panjim, Goas Hauptstadt, das war wie ein Kurztrip nach Portugal. Goa war ja mal eine portugiesische Kolonie und das ist noch sehr stark zu spüren: die Häuser, die Atmosphäre, alles wirkt so mediterran! Es war herrlich. Wir saßen in einem kleinen Straßenrestaurant, in einer engen Gasse, die mit Lichterketten dekoriert war und lauschten portugiesischen Klängen. Das Restaurant war voll mit Europäern, was das Gefühl in Portugal zu sein noch verstärkte. Und der Wein war super lecker (was in Indien durchaus nicht die Norm ist).
Den letzten feierten wir, wie es sich für Goa gehört. Alles in Allem war es ein toller Kurzurlaub, knapp vor Start der Saison, was alles angenehm machten: die Preise waren noch angemessen, der Strand überhaupt nicht voll und die Anzahl von Russen hielt sich nach in Maßen. Jetzt möchte ich nicht da sein, denn an Diwali ist dort die Hölle los.
So, nun habe ich aber genug berichtet. Ich hänge noch ein paar Fotos von Goa an.
Ich hoffe, euch alles geht es gut.
Übrigens: falls ihr mal eine Karte, einen Brief oder ein Päkchen loswerden wollt, könnt ihr es gern an mich schicken, meine Adresse funktioniert tatsächlich:
Kristin Piesker
773/3 Prabhat Road, Lane 7, "Four Fountain Spa" Building
411004 Pune, India
Freu mich natürlich über alle Post :)
Dann wünsch ich euch allen HAPPY DIWALI!!!
Die drei Strandnixen :) links Franzi, rechts Inga
entspanntes Frühstücken
der Blick von unserem Balkon
kleiner Ausflug nach Portugal
die ganze Goa-Crew
Die Lichter, die während des Diwali-Festes angezündet werden sollen Ram symbolisch den Weg nach hause in sein Königreich weisen. Ram gilt als der reinste und moralisch einwandfreieste Gott im indischen Pantheon. Es heißt, dass jeder Mensch auf der Erde jede Eigenschaften der indischen Götter in sich trägt. Wer die Eigenschaften von Ram in sich trägt, ist von tiefstem Herzen gut und hat einen reinen Geist, denn Ram hat alle Dämonen besiegt und somit sich selbst befreit. Deswegen ist Diwali auch so ein wichtiges Fest.
Zu Diwali gehört, dass das Haus blitzeblank geputzt wird, man sich neue Kleidung kauft und sich gegenseitig Süßigkeiten schenkt. Es ist ein großes Familienfest, zu dem alle Mitglieder der Familie zusammenkommen, Puja machen und essen.
Zusätzlich, und diese Tradition hat sich sicherlich erst später entwickelt, huldigt man an Diwali den Finanzbüchern (!) und der Göttin Lakshmi, die für Reichtum und gute Geschäfte steht. Für alle indischen Geschäftsmänner hat Diwali also eine noch stärkere Bedeutung. Wir sind heute abend auch bei Nishit, einem indischen Freund, eingeladen im Büro seines Onkels eine Puja für Lakshmi abzuhalten.
Ein zweites "Nebenprodukt", das mit Diwali auftaucht, sind Böller, die hier momentan unerlässlich gezündet werden. Ich konnte nicht herausfinden, was die Bedeutung davon ist, aber genauso gut könnte man fragen, warum wir an Silvester böllern und niemand könnte es wohl erklären.
Diwali ist also Weihnachten und Silvester in einem und dank dieses Festes hatte ich gestern und heute frei :)
Ansonsten hat sich mein Leben in den letzten zwei Wochen hier radikal geändert: unser schönes, durchgeplantes Programm ist zuende, das Praktikum hat angefangen und die meisten Leute aus unserer Gruppe haben sich in ganz Indien verteilt. Vor allem Franzi und Inga, mit denen ich hier in Pune so viel unternommen habe, mit denen ich quasi Tag und Nacht zusammen war (Franzi war meine Mitbewohnerin) fehlen hier unglaublich. Ich merke das jeden Tag, aber gut, da muss ich wohl durch und es wird ja auch bestimmt wieder besser. mein Trostpflaster ist, dass die beiden "nur" nach Mumbai gezogen sind, das knappe 4 Stunden von pune entfernt unten am Meer liegt. Morgen fahre ich die beiden besuchen, ich kann es kaum erwarten.
Meine neue Mitbewohnerin ist Marinka, die auch in meinem Programm ist und Steffi, die schon vorher mit mir gewohnt hat, ist auch geblieben. Wir drei sind also der klägliche Rest unserer supercoolen Truppe, die hier zwei Monate viel Spaß hatte. Es ist aber schön, weiter in Pune zu sein, weil ich die Stadt mittlerweile recht gut kenne und sehr mag. Hinzu kommt, dass wir hier einfach die perfekte Wohnung haben: zentral, günstig, komplett eingerichtet und gemütlich. Franzi udn Inga suchen gerade in Mumbai eine Wohnung und verzweifeln schier an dieser Mammutaufgabe. man glaubt gar nicht, wie teuer Wohnungen in Mumbai sind...
Zu meinem Praktikum kann ich noch nicht viel sagen. Ich war erst zwei Tage dort, an denen nicht viel anstand. Mittlerweile habe ich aber eine Einführung in das Programm bekommen, mit dem ich arbeiten werde und am Montag fange ich dann richtig an. Ach ja, für die, die es noch nicht wissen: ich arbeite hierfür das "Pune International Filmfestival" (kurz PIFF), das vom 6.-13. Januar stattfindet. Ich bin für den Festivalkatalog verantwortlich, was auch eine Mammutaufgabe ist. Meine erste Aufgabe ist nun, eine Datenbank mit allen Filminfos inklusive Regisseurbiographie etc. zu erstellen und alles in ein Format zu bringen, in dem es dann gedruckt werden kann. Ich bin sehr gespannt und freue mich auf die Herausforderung. Ist nämlich nicht so einfach, alle Informationen zu sammeln. Meine zweite Aufgabe wird die KOmmunikation mit den ausländischen Regisseuren sein, die nach Auswahl der Filme durch das "Selection Committee" eingeladen werden, aber das kommt später.
Meine Arbeitszeiten kommen meinem biologischen Rhythmus sehr zugute: ich fange um 10.30 an und ende so gegen 18 oder 19 Uhr, sehr entspannt. Das heißt, noch ist es so, wer weiß, wie wird je näher das Festival rückt...
Ein weiterer Glücksfall ist die Tatsache, dass im Büro immer Hindi gesprochen wird, auch wenn ich anwesend bin und offensichtlich zuhören möchte. Das heißt zwar im Moment noch, dass ich nichts als ein paar Wörter verstehe, aber ich hoffe, dass es bald besser wird. Natürlich sprechen meine Kollegen auch alle Englisch, das heißt, es gibt keine Verständigungsprobleme.
Letzte Woche waren wir 4 Tage in Goa, was wir sehr genossen haben. Wir hatten ein kleines, schnuckeliges Guesthouse driekt am Strand. Es gab dort nur 5 Zimmer, von denen wir zwei besetzten und eins von einem Inder aus Kanataka benutzt wurde. Es war also sehr ruhig und wir konnten morgens gemütlich auf der Terrasse sitzen und unsere morgendliche Kaffee-Omlette-Toast-Zeremonie genießen. Danach ging es an den Strand, wo wir uns in den typischen Strandliegen braten ließen. Ab und zu ein Sprung ins mehr oder weniger kühle Nass oder ein Getränk aus dem Strandrestaurant und schon war der Tag perfekt. An einem Tag hatte ich mir einen Scooter gemietet und fuhr mit den Jungs durch Goa, das war ein Spaß! Es war wahnsinnig grün, eine richtige Oase, überall Palmen und Bananenstauden. Jörg und ich waren ja im Januar schonmal dort, aber da war es eher trocken, denn es war das Ende der Trockenzeit. Diesmal war es das Ende der Regenzeit und das war noch sehr deutlich zu spüren, alles grünte und blühte und man fühlte sich wie neu geboren in diesem grünen Paradies.
Einen Abend verbrachten wir in Panjim, Goas Hauptstadt, das war wie ein Kurztrip nach Portugal. Goa war ja mal eine portugiesische Kolonie und das ist noch sehr stark zu spüren: die Häuser, die Atmosphäre, alles wirkt so mediterran! Es war herrlich. Wir saßen in einem kleinen Straßenrestaurant, in einer engen Gasse, die mit Lichterketten dekoriert war und lauschten portugiesischen Klängen. Das Restaurant war voll mit Europäern, was das Gefühl in Portugal zu sein noch verstärkte. Und der Wein war super lecker (was in Indien durchaus nicht die Norm ist).
Den letzten feierten wir, wie es sich für Goa gehört. Alles in Allem war es ein toller Kurzurlaub, knapp vor Start der Saison, was alles angenehm machten: die Preise waren noch angemessen, der Strand überhaupt nicht voll und die Anzahl von Russen hielt sich nach in Maßen. Jetzt möchte ich nicht da sein, denn an Diwali ist dort die Hölle los.
So, nun habe ich aber genug berichtet. Ich hänge noch ein paar Fotos von Goa an.
Ich hoffe, euch alles geht es gut.
Übrigens: falls ihr mal eine Karte, einen Brief oder ein Päkchen loswerden wollt, könnt ihr es gern an mich schicken, meine Adresse funktioniert tatsächlich:
Kristin Piesker
773/3 Prabhat Road, Lane 7, "Four Fountain Spa" Building
411004 Pune, India
Freu mich natürlich über alle Post :)
Dann wünsch ich euch allen HAPPY DIWALI!!!
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