Dienstag, 24. Mai 2011

nicht mehr lang...

I´m coming home, I´m coming home, I´m coming.... I am coming home!!!!

Nur noch ein paar Stunden und ich sitze im Flieger ins gute alte München!
Dort werde ich dann hoffentlich sehnsüchtigst erwartet und empfangen von meinem Jörg und anschließend verwöhnt bis zum Geht-nicht-mehr.

Ich freu mich auf euch!!!

Bye bye India!!! I will miss you a lot....

Dienstag, 10. Mai 2011

ein Hauch von Bollywood Teil II - diesmal wirklich!

"Gestatten, dass ich mich vorstelle: Rachel Felder, Regisseurin aus Hollywood. Ich möchte hier in Indien einen Film über die Situation der Bauern auf den Dörfern drehen. Dafür fahre ich in ein typisches Dorf und interviewe dort verschiedene Menschen, alte, junge, Bauern, Geldverleiher, Parteimitglieder und Witwen. Popad, der Dorf-Allwissende ist mein Guide und bringt mich mit den zukünftigen Protagonisten meines Films in Kontakt. Natürlich gibt es ein paar Probleme. Niemand möchte sein Leid auf Zelluloid abgelichtet und anschließend der ganzen Welt im Kino präsentiert sehen. Am Ende aber bekomme ich was ich will: meine Story und meinen Film und obendrein einen Oscar :)"

So oder so ähnlich ist die Geschichte des FILMS, den ich hier gerade drehe als eine der Hauptfiguren!!! Wahnsinn, oder? Hätte ich mir auch nicht erträumen lassen, dass ich mal beim Film ende. Okay, es ist immernoch Regionalkino vom Bundesstaat Maharashtra, aber immerhin ist der Plan des Regisseurs, diesen Film bei verschiedenen Festivals in Indien und weltweit zu zeigen (auch in Deutschland!) Gut, bis dahin ist es noch ein weiter Weg und wir wollen mal die Kirche im Dorf lassen, vorerst! Aber man weiß ja nie...

Der Dreh läuft super. Es geht alles ziemlich schnell und ich bin mir sicher, dass wir die geplante Drehdauer nicht überschreiten. Jeden Tag drehen wir 6 bis 7 Szenen, was ziemlich viel ist.
Ich habe festgestellt, dass der Schauspieler vom ganzen Filmteam den leichtesten Job, dafür aber auch die meisten Allüren hat. Unglaublich, wie sehr das schon ausgeprägt sein kann bei so "kleinen" Schauspielern, wie sie hier teilweise auftauchen. Meine Kollegin zum Beispiel wollte partout das Zimmer nicht mit mir teilen. Dann fing sie an zu heulen, weil sie nicht sofort ein Handtuch bekam... Also echt!
Es ist aber auch unglaublich, wie sehr man hier von allen Seiten umsorgt und verwöhnt wird. Kaum steht man eine Sekunde ein bisschen ratlos rum kommt jemand mit einem Stuhl, mit Wasser, tupft einem das Gesicht mit einem kühlen, feuchten Läppchen oder gibt einem einen Snack. Ich bin es gar nicht gewöhnt, nichts selbst machen zu müssen. Genauso wie es die Leute hier nicht gewöhnt sind, dass eine Schauspielerin selbst ihre Schuhe tragen möchte oder ganz allein aufstehen und den Stuhl zurecht rücken möchte :)
Heute meinte Deviani, "meine" Make-up-Assistentin, ich sei "very sweet", weil ich eben nicht so prätentiös und abgehoben bin wie die anderen Schauspieler... Zu mir sind sie klar total nett, aber man merkt schon deutlich, dass sie sich als etwas Besseres als die restliche Filmcrew betrachten.
Mein Text hält sich noch sehr in Grenzen, ich stehe meist nur rum und mache Fotos. Aber okay, es ist ja ein Marathi-Film, in dem Marathi gesprochen wird und daher kommen nur ein paar englische Sätze vor, die ich spreche :)

Mein Schauspieler-Kollege hier ist ein großer Star in Maharashtra und ständig sidn wir von Menschentrauben umringt, die Autogramme und Fotos wollen. Ich habe auch schon etliche Autogramme gegeben hihi Macht Spaß!

Es ist alles ziemlich aufregend und ich bin so gespannt, wie es dann am Ende aussehen wird. Wenn ich mir nicht, zeige ich euch den Film nicht! :)
Noch bis zum 23. geht der Dreh und am 25. komme ich dann endgültig zurück nach Good old Germany!
Auch wenn das hier jetzt alles toll ist und ich es wirklich genieße, freue ich mich doch auch auf zuhause, auf euch alle!!!

Hier sind noch ein paar Eindrücke vom Dreh:

Macaran Anaspure -Maharashtras Superstar -witziger Typ :)

Der Regisseur - Gajendra Ahire - super nett!!




Kamera...und...Action! Kameramann Shakerana bei der Arbeit

Meine Kollegen und ich am Set :)

Rachel Felder wie sie leibt und lebt (dieser Hut ist schrecklich!)

Learning lines...


Kamera in Position...

in der Maske mit Deviani



Montag, 11. April 2011

Reisen mit Mama Teil II

Wie bereits angekündigt kommt hier nun der zweite Teil der Rundreise mit Mama.
Nach Mumbai war Jodhpur, die blaue Stadt in Rajasthan, unsere Station. Ich war 2007 schon einmal dort und wollte Mama unbedingt das leckere "special lassi", ein aus dickflüssigem Joghurt, Sahne und Trockfrüchten hergestelltes Getränk, probieren lassen. Deshalb und ganz nebenbei wegen der riesigen Befestigungsanlage, die die Stadt überragt und der ganzen blau angemalten kleinen Häuschen der Altstadt... :)
Unser Guesthouse lag malerisch inmitten der Altstadt und hatte überall verwinkelte kleine Räume und Treppen und eine tolle Dachterrasse von der aus man das Fort sehen konnte. In der Nacht wurde es angestrahlt, was uns natürlich zu einigen Fotosessions animiert hat.
Eine nette Geschichte erlebten wir in Jodhpur: Mama wollte ein Bild kaufen und so verschlug es uns in die kleine Malerei-Schule von Vijay, der für wenig bis gar kein Geld Kurse in Miniaturmalerei anbietet und ein gorßes, reines Herz hatte. Zuerst war ich natürlich skeptisch, so wie es mich meine Indien-reise-Erfahrung gelehrt hat, aber ziemlich schnell wure klar, dass Vijay ein feiner Kerl war und kein profigieriger Geier. So unterhielten wir uns lange und am Ende kaufte Mama tatsächlich ein schönes Bild mit Elefant. Bei zweiten Besuch, als wir den Rahmen abholten, lud uns Vijay zum Essen ein und wir nahmen im Hinterraum Platz und genossen sau leckeres Dal-Bhati (Spezialität aus Rajasthan) zusammen mit seinem kleinen Neffen (siehe Bild).
Das erlebt man ja immer wieder in Indien: unendliche Gastfreundschaft, die einem das Herz für dieses Land immer weiter öffnet.
Die blaue Stadt von oben Prinzessinnenpalast

Aufbruch

Mama und Vijays Neffe beim Dal-Bhati Essen

Am letzten Tag in Jodhpur nahmen Mama und ich an einer Kamelsafari teil. Ja, ihr habt richtig gehört: Kamele haben wir geritten!!! Gut, für mich war das ja schon Routine, ich alter Kameltreiber , ha :) (ich war ja 2007 schonmal in Rajasthan und habe dort eine zweitägige Tour gemacht, insofern kann man wirklich von Erfahrung sprechen). Für Mama war es das erste und bleibt es wohl auch das einizige Mal. Nicht dass ihr Kamel "Rowdie" so wild gewesen wäre, aber so ein Kamelrücken fühlt sich dann doch ein bisschen wie ein schaukelndes Boot bei starkem Seegang an. Die Safari aber führte uns durch menschenleere Wüstengegenden bis hin zu einem kleinen Häuschen, wo wir einheimisches Essen und einen Einblick in die Lebensbedingungen der Menschen dort bekamen: 6 Kinder, alle Rotznasen, Fliegen überall, aber ein Lächeln auf allen Gesichtern, verrückt!
Hier ein paar Fotos:

Mama und ihr "Rowdie" haha

Wüstenmädels und -junge

Brennende Hitze

So sieht es aus, wenn man sein Kamel sattelt...

Nach drei Tagen im kulturell reichen Rajasthan flogen wir in einem 2-Tages-Trip ganz in den Süden Indiens nach Kerala. Die letzte Strecke von Bangalore nach Trivandrum saßen wir in einem Mini-Propeller-Flugzeug, das nicht gerade vertrauenserregend wirkte. Was wenn der Propeller plötzlich ausfällt mitten in der Luft???
Naja, wir überlebten Gott sei Dank und schon waren wir inmitten von Palmen und Bananenstauden und Cocosnussgerüchen und berockten Männern mit dunklen Gesichtern. Im Süden Indiens sind die Menschen ja tatsächlich viel dunkler als im Norden. Und Dhotis bzw. Lunghis, das sind Tücher, die sich die Männer als "Rock" um die Beine schlingen, werden fast ausschließlich getragen. Je nach Wetterlage oder Tätigkeit kann der Rock lang getragen oder bis über die Knie hochgeschlagen werden- sehr praktisch.
Wir verließen den Flughafen und schon stand uns der Schweiß auf der Stirn, bald lief er den Rücken entlang und ganz bald sahen wir aus wie geduscht. Unglaublich wie schwül es dort unten ist. Schwül und heiß, so dass man sich tagsüber kaum bewegen mag.
Mama und ich fuhren daraufhin erstmal nach Varkala, an einenvon wenigen Stränden in Kerala, an denen man im Bikini und auf "westliche-Art" (heißt Sardine am Strand) sonnenbaden "darf". Das darf steht nur in Klammern, weil es natürlcih physisch möglich wäre, nur würde man sich ziemlich unwohl fühlen zwischen all den Saree-bekleideten Frauen und Männern in Hose und Hemd, wenn man halb nackt am Strand rumhängt und dauernd verwundert bis entsetzte Blicke erntet. Die gibt es zum Teil auch in Varkala, nur da liegen ja auch mehr Touristen rum, von denen die meisten viel mehr entsetzte Blicke ernteten als wir... ;)
Drei Tage verbrachten wir dort, unter anderem die Nacht auf meinen Geburtstag. Wir feierten rein mit einer illustren Gruppe aus der ganzen Welt, die wir dort kennengelernt hatten. Alle waren sie so genannte "Traveller", also Leute, die nicht nur spröden "Urlaub" machen, sondern "reisen" und die Welt möglichst "low budget", heißt mit so wenig Knete wie möglich, in möglichst viel Zeit erkunden.
Ich kriege die Namen jetzt gar nicht mehr zusammen, aber da gab es einen verrückten Portugiesen, der nie aufgehört hat von sich und seinem tollen "Reiseprojekt" zu schwärmen, den gealterten Engländer, der Frau und Kinder jedes Jahr mehrere Monate zuhause lässt, um im Süden Indiens Pegeltrinken zu betreiben (aber ein ganz lieber Charakter! Wirklich!), die zwei Amis, die sich - scheinbar dauerbekifft - gegenseitig Spritzen in den Arm jagen (nee, der eine hatte nen Autounfall und bekam seine Schmerzmittel vom anderen gespritzt...verrückt genug, aber für meine Story brauchte ich was noch Härteres :)) und Bruder und Schwester aus Australien, die sich erst noch an die indische Mentalität gewöhnen müssen.
Es kamen noch ein paar andere hinzu und Mama war begeistert, wie einfach sich beim Reisen Leute kennen lernen lassen. In dem Engländer hatte sie dann auch jemanden in ihrer Altergruppe gefunden, der ihr obendrein noch dabei half, ihr Englisch aufzubessern. Um 12 gabs ein Happy Birthday für mich und ab ins Bett. Das Klima hat keine Gnade mit allem Lebenden und so fielen wir jeden Abend wie tot ins Bett, obwohl wir am Tag nicht viel getan hatten außer Shopping (von dieser Leidenschaft hatte ich ja schon berichtet) und im Schatten sitzen.

überfüllter Strand in Varkala

Abends wirds leerer


weg vom Touristenstrand hin zum Paradies

meine "Geburtstagsfeier"

Unser nächster Anlaufpunkt war Alleppey, von wo aus wir eine 22-stündige Hausboottour machten, die, natürlich eine Übernachtung dort einschloß. Das war entspannend! Nach all dem Touristennepp in Varkala fanden wir uns in atemberaubender Kulisse in völliger Stille wieder und genossen es. Ein kurzer Stopp im ayurvedischen Massagezentrum inklusive Ganzkörper-Öl-Massage trug noch mehr zur allgemeinen Entspannung bei. Alles in Allem ein entspannter Geburtstag :)

Die berühmten Backwaters von Kerala



So idyllisch...

Bootskapitän

Völlig ölig nach der Massage...aber entspannt! :)

Unser Bötchen legte in Kochi an, wo wir eine Nacht in einem niedlichen Guesthouse verbrachten, das von einer Italienerin und ihrem indischen Mann geführt wurde. Kochi ist ein kleines Fischerstädtchen, das zwar sehr touristisch, dafür aber auch entspannt und gemütlich daher kommt. Die Rikscha-fahrer waren extrem ehrlich und wollten uns nicht - wie sonst eigentlich mmer- mit überhöhten Fahrpreisen abzocken, es gab kleine Restaurants auf der Straße und die für Kochi berühmten Fischernetze, die wie riesige Zelte über dem Fluss schweben und regelmäßig rein- und rausgezogen werden.
Diese Eintrag endet mit ein paar Bildern aus Kochi, denn ich finde, nun habe ich genug eurer Zeit eingenommen... Bis zum nächsten Mal! (dann folgt Reisen mit Mama Teil III ... aber der wird kürzer, versprochen!)

Fischernetze



Hinterhof

das süßeste Lächeln der Welt :)







Montag, 21. März 2011

Reisen mit Mama Teil I

Mittlerweile schon wieder über einen Monat her, dafür aber nicht weniger präsent in meinem Kopf: die Rundreise durch (vor allem) Südindien mit meiner Mama. Hier kommt also jetzt ein Blogeintrag mit den Highlights der Reise und natürlich reichlich Bildern. Mama und ich hatten nämlich beide unsere großen Spiegelreflexkameras dabei und bei zwei so kleinen Hobbyfotografinnen kommen dann schon einige Bilder zusammen.
Morgens um 5 wartete ich ungeduldig am Flughafen in Mumbai um Mama in Empfang zu nehmen. Dann gings los ins Bentley Hotel, einer ehemaligen Kolonialresidenz, in der wir ganz wie die alten Enländer in knarrenden Betten aber einem großen Zimmer mit Schachbrettmustern auf den Böden und einer schönen Terrasse schliefen.
Mumbai war toll. Wir rannten ganz touristengleich durch Colaba, den schönen Süden der Stadt und bestaunten das Gateway of India im Sonnenuntergang. Nebenbei fingen wir gleich am ersten Tag an, einzukaufen! Das stellte sich dann als unsere Lieblingsbeschäftigung der gesamten Reise heraus. Jeden Tag wenn wir in unser Hotel zurück kehrten, hatten wir eine neue Klamotte, ein Schmuckstück oder Schuhe und Taschen gekauft. Es war schon fast komödiantisch, aber wir konnten einfach an keinem interessant erscheinenden Straßenstand vorbei gehen. Tja, so ist das eben wenn zwei Frauen unterwegs sind :)
In Mumbai lernten wir jeden Tag neue Leute kennen, jeder wollte mit den zwei weißen Frauen reden. Einer der Leute, die wir in den ersten Tagen kennen lernten war Khao, ein Amerikaner mit vietnamesischer Herkunft. Er besuchte einen Freund in Mumbai, einen Oberklasse-Inder, der dank reicher Eltern ein Restaurant in Mumbai eröffnet hat. Und, wie es so ist, weil wir zwei so nette weiße Frauen sind, wurden wir in dieses Restaurant eingeladen und hatten einen netten Abend mit Tuhan, Khao und Deepak.
Ein spektakuläres Erlebnis war die geführte Tour durch den größten Slum Indiens,den Derawadi Slum. Wir waren überrascht, wie produktiv die Menschen im Slum sind. Es gibt einen industriell-kommerziellen Bereich, in dem Plastik recycelt, Tontöpfe hergestellt, Süßigkeiten und Backwaren verkauft und diverse Näh- und Holzarbeiten erledigt werden. Im Wohnbereich des Slums befinden sich die Wohnhäuser. Die allerdings waren teilweise erschreckend winzig, in extrem engen Gassen ohne Sonnenlicht gelegen. Manchmal sah man aus einem 10-Quadratmeter-Zimmer fünf Köpfe herausschauen. Und natürlich war es an verschiedenen Stellen extrem dreckig und es stank. An anderen Stellen wiederum war es sauber und gepflegt, oder zumindest so gepflegt wie es auch auf normalen indischen Straßen aussieht :)
Zwischen Faszination und Entsetzen erlebten wir drei Stunden im Slum, hier gibt es ein paar Bilder (eigentlich ist es verboten, Bilder zu machen, aber dank Mamas Ungehorsam haben wir doch einige :))

Plastikverarbeitung

über den Dächern des Slums

ich über den Dächern :)



das ist Küche-Wohnzimmer für fünf Personen (größer als das, was man sieht, ist es nicht...) Unser Guide (rechts) wohnt hier mit seinen Eltern und Geschwistern

Und hier noch ein paar professionelle Bilder, die uns unser Guid freundlicherweise gegeben hat




Tontopfproduktion im Slum


So eng kann es dort zugehen

der Slum von oben

ein Hauch von Licht


Ein zweites einmaliges Erlebnis war es, den Dhaba-Wallas bei der Arbeit zuzusehen. Diese dünnen Männer, die jeden Tag das warme Essen tausender Büroarbeiter von deren Wohnung zu ihnen ins Büro und zurück transportieren, leisten Wahnsinniges! Jeden Tag um 11.30 kommen sie an der S-Bahn-Station Churchgate an und laden die vielen kleinen Täschchen mit dem wertvollen Inhalt auf dem Vorplatz ab. Jede Tasche hat eine Nummer und ist in einer bestimmten Farbe gekennzeichnet, so dass die zumeist analphabeten Arbeiter wissen, wo die Ladung hinkommt. Dann wird alles entweder auf Fahrräder oder kleine Wägelchen umgestapelt und los geht es. Das amerikanische Wirtschaftsmagazin Forbes hat dem Unternehmen, das täglich mit tausenden von Lunchbüchsen zu tun hat, die an verschiedene Orte in der ganzen Stadt verteilt werden müssen, eine fast 100% Zuverlässigkeit bei der Zustellung bescheinigt und war vor Ort um das Phänomen zu untersuchen. Wie schaffen es diese nicht des Lesens fähigen, kleinen, zerbrechlichen Männer im wahnsinnigen Straßenverkehr Mumbais pünktlich an Ort und Stelle zu sein und den hungrigen Bürohengsten ihr Mittagessen zu bringen? Da kann ich nur sagen: indisches "Jugad" macht´s möglich :) (Jugad heißt soviel wie: wir regeln das schon, auch wenn es noch so unmöglich erscheint) Jugad scheint in Indien Motto zu sein!
Eine andere Frage, die sich dem geneigten Leser nun vielleicht aufdrängt wäre: Warum zur Hölle können diese faulen Anzugträger nicht ihr Essenspaket selber tragen? Wer einmal zur Rush-hour mit einem indischen Vorortzug Richtung Mumbai Zentrum gefahren ist, weiss warum. Nicht ein Zentimeter Platz ist dort, wer seinen Arm bewegen will, muss vier andere anrempeln. Hätte jetzt noch jeder seine Tiffinbox dabei, das wäre kaum auszumalen. Und wenn dann eine dieser Boxen aufgeht und sich das gesamte Kunstwerk aus Reis, Gemüsecurry, Dhal (Linsensuppe) und Roti (Brotfladen) auf die Passagiere verteilt, das wäre eine Katastrophe! Deshalb: schlau gedacht und Arbeitsplätze geschaffen mit dieser raffinierten Methode der Essensverteilung.

Hier ein paar Impressionen des Schauspiels:

schwere Last

nur nicht verwirren lassen, alles hat seine Ordnung :)

und weiter gehts per Fahrrad

...und per Karren


Ein letztes Erlebnis, das ich hier nennen möchte,bevor dieser Eintrag zuende geht, sind die Dhobi Ghats in Mumbai, ein riesiges Freiluftwaschhaus, in dem die gesamte dreckige Wäsche des riesigen Großstadtmolochs gewaschen wird. Hotels, Restaurants und andere Dienstleister gehören ebenso zum Kundenstamm wie Privatleute, die keine eigene Waschmaschine haben und zu faul sind, selbst per Hand zu waschen. Als Tourist darf man das Schauspiel von einer Brücke aus beobachten, Eintritt ist für Weiße und Frauen verboten.

Die Wäscher sind selbstständig und mieten eine Waschzelle für 300 Rupees im Monat (5 Euro). Ein Arbeiter, der bei dem Wäscher angestellt ist, verdient 50 Rupees am Tag (etwa ein Euro), während der Besitzer der Zelle ungefähr 150 Rupees (2 Euro 50) am Tag mit nach hause nimmt. Bei diesen Löhnen kann einem nur der Atem stocken. Mama und mir sind die Münder offen stehen geblieben. Im Slum sind die Bedingungen krasser: ein Wohnhaus kostet 3000 Rupees im Monat, während der normale Lohn für Arbeiter 50 Rupees am Tag beträgt. Wie die Menschen
mit so wenig Geld überleben ist mir ein Rätsel!

Die Ghats von oben



ein Wäscher bei der Arbeit in einer Waschzelle

Das war es für jetzt. Unsere Reise führte uns weiter zunächst nach Jodhpur in Rajasthan und dann nach Kerala, wo wir Tee- und Reisplantagen bestaunten und mit auf einem Hausboot durch die Backwaters schipperten.
Dazu dann das nächste Mal mehr.
Liebe Grüße an euch alle aus dem mittlerweile heißen Pune!










Freitag, 17. Dezember 2010

Wegbegleiter in Pune

Liebe Leute,

seit ungefaehr zwei Tagen fuehle ich mich ein bisschen wie im Schwebezustand hier. Ich habe dieses permanente Kribbeln im Bauch, das man hat, wenn man wahnsinnig aufgeregt ist... Ich glaube es liegt daran, dass ich bald nach hause fliege und meine ganzen Lieben wieder sehe :) Auch wenn es nur fuer eine Woche ist, so ist es doch eine sehr sehr angenehme Unterbrechung meines Aufenthalts hier.
Zu dieser Aufregeung kommt eine weitere Euphorie: "mein" Festivalkatalog ist kurz vor dem Fertigwerden! Alles, was jetzt noch fehlt liegt nicht an mir, sondern an fehlenden Bestaetigungen fuer Filme, die wir zeigen moechten. Gestern haben meine Kollegen Sandeep, Kushal und Ankur einen "Dummy-Katalog" ( d.h. einen Probekatalog) erstellt und als ich den in den Haenden hielt, ueberkam mich schon so ein gewisser Stolz, mein Werk! Hach!
Aber halt! Ich habe echt viel dafuer getan!!!
Diese Woche war besonders anstrengend. Jeden Tag fangen wir um 11 an. Okay, das ist spaet, dafuer war ich aber auch jeden Tag bis ungefaehr 21 Uhr im Buero, am Mittwoch sogar bis halb 11! Jeder, der mich kennt, wird verstehen was das fuer mich bedeutet... Meine Freizeit opfern!!! Hilfe!!! Ach ja, und heute ist Samstag und wo bin ich? Im Buero natuerlich. Mit meinen lieben Kollegen. Ich hab sie tatsaechlich lieb gewonnen, meine Kollegen und ich glaube, sie moegen mich auch. Sie haben zwar nicht aufgehoert, staendig Hindi zu sprechen und Informationen nicht weiter zu leiten. Dafuer verstehe ich jetzt schon richtig viel und weiss mittlerweile, dass ich den Leuten einfach auf den Sack gehen muss, um meine Infos zu bekommen. Das nennt sich wohl kulturelle Assimilation. Da bin ich auch ein bisschen stolz drauf.
So, nun aber genug geredet. Ich haenge ein paar Bilder an von Menschen, die mich hier in meinem alltaeglichen Leben "begleiten", das heisst Menschen, die ich oefters mal sehe und mit denen ich eigentlich nicht befreundet bin, aber die trotzdem ihren Platz haben :)
Seht selbst.....

Meine Kollegen und ich


von links: Amar, Kshama, Aditi, Vishal


Raj, der Obstverkaeufer, mit dem ich immer Hindi spreche und ich


nochmal Raj



"mein" Schneider