Das passiert wenn man einem Journalisten ALLE seine Bilder gibt...
Übrigens: der "Sakal" ist die meistverbreitete Marathi-Zeitung überhaupt :)
Autogramme später!
willkommen auf meinem Blog, in dem ich über meinen Alltag, meine Erlebnisse und meine Gefühle hier in Indien berichten werde.
Es sind ja nun schon vier Wochen vergangen, seit ich hier gelandet bin, im Land der Farben, der Musik, des Tanzens. So hat sich Indien jedenfalls von Anfang an präsentiert. Nun bin ich ja, wie ihr wisst, schon ein wenig Indien-erfahren und war somit nicht witklich überrascht, trotzdem ist die Stadt Pune ganz anders als der Rest Indiens, den ich schon besucht habe.
Pune, zweitgrößtes Stadt im Bundesstaat Maharashtra, liegt ein wenig erhöht auf ungefähr 500 Metern über dem Meeresspiegel. Damit ist das Klima hier deutlich erträglicher als beispielsweise in Mumbai, das ja am Meer liegt. Das ist übrigens auch immer der Punkt, den die Punenser gern mal erwähnen, wenn es darum geht, in welcher Stadt es sich besser lebt.
Generell gibt es eine kleine Rivalität beider Städte: unten (in Mumbai) sagt man, die Punenser seien provinziell und oben (in Pune) heißt es, die Mumbaier hätten keine Kultur.
Und da wären wir auch schon beim zweiten Punkt: Pune ist große Kulturhauptstadt Indiens und das Bildungszentrum. Es wird auch das "Oxford des Ostens" genannt, weil hier alle großen und renommierten Universitäten und Colleges sitzen.
Nebenbei boomt natürlich die Automobil-Industrie und die IT-Branche, weshalb vor allem deutsche Firmen sich hier angesiedelt haben. Trifft man hier Ausländer sind es meist Deutsche, aber wir haben auch Spanier und Franzosen getroffen.
Pune ist keine Touristenstadt, was man daran merkt, dass nur wenige Ausländer auf den Straßen zu sehen sind, und wenn, dass arbeiten sie hier.
Pune ist im Vergleich zu anderen indischen Städten sehr relaxed, schon fast gemütlich. Es gibt einigermaßen saubere Straßen und in unserem Wohnviertel sogar Bürgersteige. Das war ich vielleicht überrascht!!! 
Es gibt hier in Pune sogar so etwas wie eine Altstadt mit fachwerkähnlichen Häusern, die zwar heruntergekommen, aber sehr interessant aussehen. Pune ist grün! Und allein das ist in Indien eine Sensation!!! Wenn ich von meinem Balkon aus dem Fenster schaue, gucke ich auf eine Palme und diverse Bananenstauden, herrlich.
Alles in allem also eine schöne Stadt, in der es sich gut wohnen lässt.
Nun aber genug zu Pune an sich.
Indien ist extrem, ja das kann ich nur bestätigen. Ich bin seit 4 Wochen hier und haben in dieser Zeit schon so viele verrückte Dinge erlebt, die mir in Deutschland nicht in 4 Jahren passieren. Zusammen mit einigen meiner Mit-Stipendiaten stand ich schon zweimal auf großer Bühne und einmal auf einer kleinen, wo ich die heilige Puja-Zeremonie (eine Art Gebetsritual) mitgestalten durfte.
Die Puja war echt witzig, zumal sich das, wie so oft in Indien, ganz spontan ergeben hatte. Ich war mit Tom, einem Mitstipendiaten in der Altstadt unterwegs. Weil bis gestern hier das Ganesha-Festival stattfand waren dort an jeder Ecke kleine Bühnen aufgebaut, auf denen eine Ganeshafigur stand. Wir laufen also durch die Straße und kommen an solch einer Bühne vorbei. Der "Bühnenwart" bedeutete uns dann zu warten, weil wohl gleich die Puja-Zeremonie losgehen sollte. Nun gut, wir setzten uns also und...warteten! In Indien gibt es kein "gleich" oder "sofort" und auch der Ausdruck "5 Minuten" sollte nicht allzu ernst genommen werden. Nicht umsonst heißt die Zeit hier nicht "Indian Standard Time", sondern "Indian Strechable Time". Wir warteten also geschlagen 45 Minuten dort, bevor überhaupt irgendetwas anfing. Langweilig wurde uns allerdings nicht, weil ständig Leute vorbeikamen, die sich mit uns unterhielten. Inder sind nicht schüchtern, wenn es darum geht, Ausländer anzusprechen.
Jedenfalls ging dann die Zeremonie los und ich hatte die große Ehre, das heilige Feuer zu schwenken - immer im Kreis, rechtsrum (falls ihr mal in die Verlegenheit kommen solltet). Danach bedankten sich alle mit einem Blumenstrauß und einer Kokosnuss. Ich war so gerührt, toll! Habt ihr schonmal gesehen, dass ein Japaner in Deutschland mit Weihwasser spritzen durfte? Ich auch nicht! Der Hinduismus ist sehr offen und weniger strikt in seiner Auslebungsart. Ein wenig ironisch ist allerdings die Tatsache, dass ich erstens Atheist bin und zweitens an diesem Tag menstruierte. Eigentlich darf man dann ja gar nicht in den Tempel, geschweige denn eine religiöse Zeremonie "leiten". Naja, ich habs ihnen nicht gesagt und ich glaube, es wird nichts passieren. 
Das erste Mal auf großer Bühne stand ein kleiner Haufen unserer Truppe direkt in den ersten paar Tagen, als die ganze Stadt Lord Krishnas Geburtstag feierte. Wir stürzten uns in die Massen und wurden dann unter großem Jubel auf die Bühne gebeten, von der aus wir in die Menge blickten und uns schier die Spucke im Halse stecken blieb. Ich hänge unten ein paar Bilder an, damit ihr euch ein Bild machen könnt.
Unser letzter Bühnenauftritt war erst vor ein paar Tagen, als wir anlässlich des "Pune Festivals" zur Musical Night von "Master Salim" gingen und dort in den ersten Reihen saßen. Zu dieser Ehre waren wir auch wieder nur durch Zufall gekommen, weil wir am Tag davor ebenfalls bei einer Veranstaltung des Pune Festivals die Frau des Veranstalters getroffen hatten und diese uns einfach mal so 17 "Honoured Guest" (Ehrengast) Karten gab- für die ganze deutsche Gruppe - krass!!
Jedenfalls filmte uns die Kamera während der Show des Öfteren, auch weil wir sitzend total abgingen und fast noch mehr Stimmung machten als die Inder selbst. Irgendwann jedenfalls holte uns der Sänger auf die Bühne und wir tanzten eine Runde mit ihm. Vor uns im Saal bestimmt 3000 Leute oder mehr, ich kann es nicht so gut einschätzen.
Das Konzert war übrigens auch ein toller Ausdruck indischer Kultur: Beginn war eigentlich 21 Uhr, aber wirklich angefangen hat es ungefähr eine Dreiviertelstunde später. Dann aber ging es bis kurz vor 12 und der Mann wollte und wollte nicht aufhören zu singen. Am Ende durften die Zuschauer rufen, was sie noch hören wollen bzw. gingen von dich aus zum Bühnenrand und flüsterten ihm ihren Wunsch ins Ohr - unmöglich in Deutschland.
Das sind übrigens die zwei Dinge, die ich inzwischen als "indische Kulturstandards" ausgemacht habe: Ausdauer (beim Warten) und Geduld (beim Aushalten z.B. von langen Shows)
Am Tag davor waren wir bei einer anderen Veranstaltung vom Pune Festival, die klassischen indischen Gesang betraf. Ich kann nur sagen: jeder, der behauptet, so etwas zu genießen, muss auch sagen, dass er Katzenjammer schön findet!! Und das eine geschlagene Stunde lang!! Indische Ausdauer... Nicht so wie bei uns, wo ein Song vielleicht 5 Minuten dauert, nein, es muss eine Stunde sein.
Master Salim jedenfalls sang so lange weiter bis zwei Drittel des Publikums gegangen waren... auch normal in Indien, wie ich mir versichern ließ.
Wie mir gerade auffällt schreibe ich Romane... Das kommt davon, wenn man erst nach vier Wochen den ersten Eintrag schreibt. Bitte verzeiht mir!
Ich werde jetzt auch hier erstmal aufhören und das nächste Mal ein bisschen zu unserer Gruppe schreiben und zu den nächstlichen Aktivitäten. Es gibt nämlich, ihr werdet es kaum glauben, auch Clubs hier und Diskos. Und die sind hauptsächlich von Indern besucht.
Soweit so gut, ich hoffe, ihr seid alle wohlauf und es geht euch gut und es ist noch nicht zu kalt in Deutschland.
Hier kommt jetzt die "Oktoberhitze" wie ich mir sagen lassen habe mit Temperaturen um die 30 Grad und schwül.
Nicht neidisch sein 
Seid alle lieb gegrüsst und gedrückt
eure Krissi
Straßenmalerei beim Ganpati-Fest
Die Menge beim Krishna-Festival
Michel, Amit und Franzi können es nicht glauben